Top : Kirchenchronik : > Seite 4
Im übrigen gab es im Verlauf des 18. Jahrhunderts wenigstens sechs Bestattungen in der Kirche, eine Praxis, die damals allgemein in den Kirchen üblich war. So wurden in der Kirche 1707 Johann Heyde, ein Predigtamtskandidat, 1710 wahrscheinlich Pfarrer Gregorius Neumann, 1717 Louyse Ernestine Fabricius und Tochter Johanna Mariana, Frau und Tochter von Pfarrer Ch. G. Fabricius, 1751 Christian Friedrich von Klitzingk, Arendator (Gutspächter) in Gosda und 1778 Pfarrer Gottfried Gabriel Rohde in der Kirche beerdigt
Unter Pfarrer Gottfried Gabriel Rhode wurden zwischen 1772 – 1775 bedeutende Umbauten an der Kirche vorgenommen. Etwa vierzig Jahre später nach den Befreiungskriegen machte sich dann jedoch ein Neubau, vielleicht auch nur eine gründliche Instandsetzung bzw. ein Umbau erforderlich.
|
 |
Im ersten Nachkriegsjahr 1816 begannen vonseiten der Kirche die Bemühungen, in Mulkknitz das Kirchengebäude zu erneuern. Da die Gemeinde Mulknitz über keinerlei Vermögen verfügte, war sie gezwungen, das Problem über Darlehensaufnahme und Ackerverkauf zu lösen. So wurde vom Mulknitzer Schulmeister Johann August Senff, dem letzten Vertreter der Mulknitzer Lehrer-Dynastie Senff, ein Darlehn von 300 Reichstalern aufgenommen.Weitere 150 Taler holte der damalige Pfarrer Unwürd für die Versteigerung eines Stücks Pfarracker herein.
Die Durchführung des Kirchbaus ist im Mulknitzer Pfarr-Archiv nicht dokumentiert.
Daß mit der Gesamtsumme von 450 Reichstalern zu damaliger Zeit ein Fachwerkgebäude, wie es die alte Kirche war, hochgezogen werden konnte, zeigt nicht zuletzt die Unkostenaufstellung der Brandversicherung vom Jahre 1853. Danach wird der Ge-samtwert der Kirche auf 700 Taler taxiert und die Versicherungssumme auf 600 Taler festgelegt. Zu dem versicherten Kirchengebäude wird erläutert, es habe eine Länge von 72 Fuß und eine Breite von 31 Fuß, und es bestehe aus „ausgemauertem Fachwerk mit Ziegeldach“.
Für Unkosten, die beim Bau über 450 Reichstaler hinaus entstehen konnten, gab es schließlich noch finanzielle Beiträge vom Kirchenpatron Graf v. Brühl in Pförten und den adligen Gutsbesitzern in Gosda und Weißagk. Erheblichen Wert hatten außerdem die Hand- und Spanndienste der Bauern und Kossäten.
Nach kunstgeschichtlicher Bewertung (Kubach/Seger 1939) war die alte Mulknitzer Kirche, die 1929 auf Abbruch verkauft wurde, ein „rechteckiger Fachwerkbau des 18. Jahrhunderts mit Satteldach und südlicher Vorhalle mit Schleppdach“.
Die letzte umfangreiche Bauphase hat nach den vorliegenden Urkunden aber erst um 1816/17 oder kurz danach gelegen. Die schrägen Eckstützen, die durch zwei Geschosse gehen, sind dabei durchaus bezeichnend für die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts.
Es wäre jedoch denkbar, daß sich der Neubau um 1816/17 in Größe und Konstruktion an einen älteren Vorgängerbau gehalten hat. Sein Gepräge kann auf die bereits erwähnten umfassenden Arbeiten an der Kirche in den Jahren 1772-1775 unter Pfarrer Gottfried Gabriel Rohde zurückgehen. Der um 1670 errichtete Bau wird vermutlich noch bedeutend kleiner gewesen sein.
Bedeutende Anschaffungen im 19. Jahrhundert waren zwei neue Kirchenglocken und der Einbau einer Orgel. |
|