ERINNERUNGEN AUS MEINEM LEBEN von Werner Dubrau Zur Verfügung gestellt von Anke Freitag
Der 21. November 1948, ein unvergessener und denkwürdiger Tag in meinem Leben,
7.5 Jahre Abwesenheit, Entbehrung und Schicksal waren vorüber.
Ich klopfte gegen 4 Uhr an die Haustür meines Zuhauses, es öffnete
eine für mich fremde Frau und fragte, ob ich Werner sei,
ich bejahte dies und sie ließ mich rein. Dann erfuhr ich, daß diese
Frau Martin, Heimatvertriebene, war und bei uns, mit ihren zwei Kindern, ein Zimmer bewohnte. Inzwischen war auch mein Vater wach geworden, ich hatte jedoch keine große Lust ihm von meiner Zeit der Abwesenheit zu berichten, denn ich war zu müde und wollte nur noch schlafen.
Schließlich fand ich ein Bett in der großen Stube, legte mich hin und schlief ein.
Gegen 11 Uhr wurde ich wach und traute meinen Augen nicht, denn vor mir, an meinem Bett, stand Gertrud, meine Bekannte oder wenn ich ehrlich bin, kann man schon sagen, daß sie meine Freundin vor dem Krieg war.
Ich lernte Gertrud bei einer Hochzeit kennen. Wir wurden beide als
Paar zusammengestellt, denn die Nichte meiner Stiefmutter,
die Hildegard Schwiegk, hat den Karl Buder in der Kirche zu Strega geheiratet. Dieser ehemaligen Hildegard Schwiegk ist nun schon der dritte Mann verstorben. Sie lebt nach der Deviation von Klein Briesnig in Forst-Keune.
Meine Stiefmutter stammte ebenfalls aus Klein Briesnig.
Nach dem Tod meiner Mutter, sie verstarb 1930 im Alter von 37 Jahren
an Leukämie, heiratete mein Vater 1935 wieder. Der Verlust meiner Mutter traf mich schwer. Ich hatte zwar noch eine Großmutter, welche sich um mich kümmerte, aber sie konnte nun mal eine Mutter, meine Mutter nicht ersetzen. Dadurch wurde ich schon in meiner Kindheit zur Selbständigkeit erzogen. Meine Stiefmutter war die Schwester von Anna Schwiegk, ihr Mann war
im 1. Weltkrieg gefallen. Sie betrieb eine kleine Landwirtschaft und nebenbei eine kleine Schankwirtschaft. In dessen großen Gastraum Dorffeste gefeiert wurden und am Sonntagnachmittag trafen sich die Männer und diskutierten über Gutes und Schlechtes, was so im Dorf passierte.
Meine Stiefmutter verstarb auch schon zeitig. Nämlich 1947 im Alter von
54 Jahren, mein Vater hatte es mir geschrieben. Diese Nachricht habe ich allerdings nie erhalten. Um so größer war die Enttäuschung als ich nach Hause kam.
So lernte ich also Gertrud kennen.
Sie begrüßte mich und ich fragte mich, ob es wirklich Zufall war, daß sie jetzt vor mir stand, da wir all die Jahre keinen Kontakt hatten. Im Nachhinein muß ich sagen, ja, es war Zufall gewesen bzw. alles war so ein bißchen vorprogrammiert. Denn mein Vater und ihre Eltern haben sich irgendwie verstanden. Dies erfuhr ich jedoch erst später. Denn mein Vater hatte eine gedeckte Sau, wollte sie aber nicht bei uns zu Hause Ferkeln lassen. Er hatte sie
nach Klein Briesnig geschafft, denn dort waren genug Leute, die sich darum kümmern konnten. Er bekam dafür ein Mastschwein, welches dann in Mulknitz heimlich geschlachtet wurde.
So kam es, daß Gertrud öfters bei uns vorbei schaute und half ein bißchen mit.
Auch an diesem Tag, den 21. November, war dies so.
Sie backte Plinse, für mich nach so vielen Jahren eine Delikatesse.
Am Nachmittag sahen wir uns die Umgebung an. Dazu habe ich ein Fahrrad fahr tüchtig gemacht. Die Beleuchtung mußte repariert werden. Dieses Fahrrad hatte vorn Stahlinbereifung oben, daß war geschnittener Hartgummi aus Autoreifen, gehörte jedoch bald der Vergangenheit an.
So gegen Abend machten wir uns auf den Weg nach Klein Briesnig, es wurde schon dunkel. Gertrud machte die Hoftür auf und ihre Mutter
fragte sie zur Begrüßung, wo sie denn so spät her komme, denn es sei
schon finster. Gertrud erwiderte, sie komme nicht allein sondern hat
noch jemanden mitgebracht. Vorstellen brauchte ich mich nicht, denn
wir kannten uns ja. Zum Abendbrot gab es Schinkenstullen und Johannisbeerwein.
Nun wurde geplant und beschlossen. Weihnachten fand die Verlobung im kleinen Kreis statt. Dazu brauchten wir allerdings auch ein Paar Ringe,
neue zu beschaffen war unmöglich, denn dafür hat das Geld gefehlt.
Da hat uns mein Vater seine Trauringe gegeben und ich habe sie in
Cottbus umgravieren lassen. Die Hochzeit wurde für Ende März festgelegt.
Dafür wurden ja auch alkoholische Getränke in Form von Schnaps gebraucht. Ich habe dann den Winter über aus den Zuckerrüben destilliert.
Essenzen gab es zu kaufen. Einmal wurde der Zucker knapp, denn den gab es ja nur auf Marken, da habe ich mit einer Umsiedlerfamilie durch Tauschgeschäfte diese Lücke geschlossen. Jedenfalls habe ich termingerecht zur Hochzeit
50 Flaschen Schnaps nach Klein Briesnig gebracht.
Mein zukünftiger Schwiegervater suchte dazu seinen besten Wein raus.
Es blieb von allen nichts übrig.
Einmal fuhr ich an einem Sonntagvormittag nach Klein Briesnig.
Mein noch werdender Schwiegervater schälte im Garten Holz, da habe ich kurz entschlossen nach einem zweiten Schäleisen gefragt, um ihm zu helfen.
Dies hatte ihm gefallen. Hätte ich zugesehen, hätte ich die Hoftür, für die nächste Zeit, nicht mehr aufzumachen brauchen.
Der 26. März, der Tag der geplanten Hochzeit rückte immer näher.
Unsere Schlafzimmermöbel stellte der Nachbar, Herbert Krüger, in seiner eigenen Werkstatt her. Sonst arbeitete er in Bohrau in der Tischlerei Büdner. Alles wurde termingerecht fertig. Ein paar Tage vor der Hochzeit war ein bißchen Aufregung und Streß. Aber Krügers Erna, die Nachbarin, eine quirlige und lustige Frau, sie backte Kuchen, kochte und hatte alles fest im Griff.
Unser Hochzeitstag, ein wunderschöner Frühlingstag, wir versammelten
uns hier auf unserem Gehöft in Mulknitz und gingen dann in die Kirche.
Getraut hatte uns der Pfarrer Grenz und ich erinnere mich noch an seine Worte �... in guten und in schlechten Zeiten müßt ihr gemeinsam alles überwinden.� Diese Worte waren die Leitlinie in unserem fast 50jährigen gemeinsamen Leben. Wir haben uns nie gestritten, wir haben gearbeitet und geschafft.
Ein Hochzeitstag ohne Tanz wäre langweilig geworden. Deshalb bestellten wir die Kapelle aus Weißagk. Gefeiert und getanzt wurde in der großen Gaststube von Anna Schwiegk, welche sie für uns noch einmal ausräumte. Es war die letzte Hochzeit, die dort ausgerichtet wurde. Wir waren sehr zufrieden und auch die Zuschauer, so war es damals, die Zuschauer waren begeistert und befanden die Hochzeit für gut, wobei der Alkohol mit geholfen hatte.
Im Morgengrauen traten wir den Heimweg an. Willi Koalik begleitete uns mit seiner Klarinette, wurde dann auch müde, legte sich in eine große Streuschwinge, blies noch eine Melodie und trat dann auch den Heimweg an.
Nun kam die Hochzeitsnacht. Unser Schlafzimmer befand sich ja in Mulknitz, die Schwiegereltern haben uns ihr Schlafzimmer zur Verfügung gestellt und haben sich notdürftig in der Schirrkammer eingerichtet.
In der heutigen Zeit undenkbar, aber wir waren noch Jungfrau und Jungmann, ja einmalig.
Einmal erzählte mir mein Schwiegervater, daß die Russen ihn bald einmal erschossen hätten. Sie hatten Gertrud gesehen, aber nicht gefunden, er sollte sie holen, tat dies jedoch nicht, da hat der eine Russe seine Pistole durchgeladen , doch der Andere hielt ihn davon ab.
An dem darauffolgenden Montag, den 28. März, habe ich unsere Ochsen angespannt und meine Frau in Klein Briesnig abgeholt. Als wir abfuhren hat ihre Mutter geweint. Nun stand uns keine leichte Zeit bevor, viel Arbeit.
Mein Schwiegervater, ein guter Maurer, hat sehr viel geholfen.
Einmal brachte er für mich Kelle und Maurerhammer mit und sagte, wenn ich nicht mehr kann, mußt Du selber machen. Ich hatte mir jedoch durch Abgucken einiges angeeignet.
Denn im Jahre 1934 hat unser Nachbar Paul Bohge sein neues Haus gebaut.
Ich war wißbegierig, ging ins letzte Schuljahr, mit Hausaufgaben hatte ich ja keine Probleme. Ein Gedicht zwei Mal durchgelesen, konnte ich es aufsagen.
Im Jahre 1939, die alten Schweineställe waren eher Bunker als normale Ställe.
Ich fragte meinen Vater, ob er nicht 4t Träger kaufen kann.
Er war einverstanden. Die Wölbesteine hat Bräuer geliefert.
Habe alles selbst erneuert, hält heute noch, wird als Garage und Werkstatt genutzt.
Ich war auch derjenige, welcher in Mulknitz das erste Motorrad hatte, eine 200ter Zündapp habe ich Max Apel für 300 Mark abgekauft.
Er hat sich dafür eine 750 BMW gekauft.
Als ich meinen Vater fragte, ob ich mir diese Maschine kaufen kann, sagte er, daß ich dies kann, wenn ich genug Geld habe. Zu dieser Zeit habe ich in Bohrau Milchproben genommen. Verdiente jeden Monat 21 Mark, Problem war gelöst. Die Freude an meinem Motorrad war allerdings nur von kurzer Dauer, der Krieg kam im September 1939 und ab dem 20. 09. mußte man einen roten Winkel auf dem Nummernschild haben. Somit abgestellt und nie wieder gesehen.
Am 27. Dezember 1949 kam unsere erste Tochter Erika zur Welt, war jedoch nicht lebensfähig, da sie einen Rückenspalt von 12 cm hatte. Sie ist dann nach ein paar Tagen im Krankenhaus verstorben, kein guter Anfang. Nun ging es weiter, die Anita hatte sich am 20. Januar 1951 angemeldet und am 27. März 1952 kam Karin. Bei Karins Geburtstag wollte ich fast beim Standesamt mogeln. Sie wurde an diesem Tag um 11.45 Uhr geboren, hätte allerdings beim Standesamt den 28.03. angeben können, denn dann hätten wir beide am selben Tag Geburtstag feiern können. Habe es jedoch nicht getan.
Nun kamen wieder Probleme auf uns zu. Gertrud hatte vorzeitig in der Miete Kartoffeln ausgelesen und hatte sich dabei eine Rippenfellentzündung zugezogen und mußte ins Krankenhaus. Allein konnte ich nicht klar kommen. Und da war die Frau Nuglisch. Sie hat meinem Vater schon in den Nachkriegsjahren viel geholfen, hatte allerdings keine eigenen Kinder. Sie hat sich gleich angeboten die Pflege von Karin zu übernehmen, da sie noch sehr klein war. Ich hatte vorher erst einmal in der Familie in Klein Briesnig nachgefragt, denn dort waren noch 3 Frauen. Als ich mein Anliegen vorgetragen hatte, antwortete mir meine Schwiegermutter: � Um Himmels Willen, was sollen wir mit so einem kleinen Kind anfangen.� Da bin ich ein wenig deprimiert abgezogen.
Nun hatte die Frau Nuglisch, die ebenfalls in Mulknitz wohnte, sich Karin angenommen und vorbildlich gepflegt. Nun kam die Zeit Karin wieder zu uns zu holen, denn wir wollten sie ja wieder haben. Seitdem war Karin mal zu Hause und mal dort. Und dann haben wir uns verstritten, was eigentlich nicht sein brauchte. Als beide verstorben waren, wurde sie Eigentümer dieses Grundstückes.
Nun wieder zurück in die Wirklichkeit, ins Jahr 1948. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ein uraltes Guthaben von 250 Mark, dies war der Grundstock mit dem man nicht viel anfangen konnte. Also hieß es arbeiten und produzieren. Vorrangig war ja das Soll, was jeder Betrieb bringen mußte, bei allen Produkten, für die wir nur einen geringen Preis bekamen. Und was wir selbst erzeugten reichte zu einer Mehrproduktion nicht aus.
Also brauchte man irgendwie und irgendwo Beziehungen und diese fand ich bei der Bäckerei Adam, Gubener Str./ Ecke Robert-Koch-Straße. Die hatten ein großes Grundstück am Nauendorfer Weg und suchten jemanden, der es bearbeitet. Ich habe dies angenommen. Da wechselte so eben mal ein Sack schwarzes Roggenmehl von 75 Kg im Wert von 30,00 DM, nach Bedarf seinen Besitzer. Natürlich unter strenger Geheimhaltung. Die Bäcker bekamen auf das gekaufte Mehl Stützung, jedoch nicht auf das gebackene Brot. Denn das Brot war ja so billig, 1,04 Mark für 2 Kg. In der Konsumverkaufstelle gab es auch Brot zu kaufen, denn die haben rund um die Uhr gebacken, gegessen haben es allerdings nur wenige, denn von den Privaten war es besser. Die Bäckerei hat dann den Betrieb eingestellt. Wir haben dann unser Brot in Weißagk oder Eulo gekauft. Dieses Brot war noch ohne Chemikalien, denn heute sind doch diese überall drin und für die Gesundheit nicht gerade vorteilhaft.
1951 habe ich einen neuen Backofen setzen lassen, brauchte wenig Brennmaterial mit Thermometer und Licht. Damals wurde alle 14 Tage Brot aus Sauerteig gebacken, die letzte halbe Woche wurde es dann doch ein bißchen hart. In der Pflaumenzeit wurden immer 2 große Bleche mit gebacken, manchmal wurde er auch außerhalb dieser Zeit schnell angeheizt. Aber die mühevolle Arbeit ließ es nicht mehr zu. Das Bäckerbrot konnte man ja auch essen. 1970 hatte er seine Schuldigkeit getan, daß war das Jahr der Hochzeiten, indem Frau Stein aus Briesnig den Hochzeitsbraten geschmort hatte.
1971 wurde er devastiert und heute ist es ein schöner warmer Raum indem ich mich wohlfühle.
Der freie Markt war damals, man schaffte ein Schwein auf den Schlachthof, der Fleischer Stiller hat sich dessen angenommen und am Samstag dann auf dem Wochenmarkt verkauft. Ich konnte den stolzen Betrag von 850 Mark abholen.
Der Staat hat dann den freien Markt unterbunden und hat die freien Spitzen eingeführt. Für den Einzelnen war es eigentlich besser. Der VEB kaufte auf und man bekam dazu noch einen Gutschein für Kleie und Briketts, welchen man dann auf der BHG einlösen konnte.
Auf der BHG arbeitete Willi Klos im Büro. Er hat die Futterscheine ausgeschrieben und nebenbei telephoniert und dabei manchmal die Zahlen verwechselt, zu meinem Vorteil.
Man hat damals für ein Schwein von 140 Kg über 1000 Mark erhalten.
Nun kam die LPG, wir hatten keine Futtersorgen mehr und brauchten auch nicht mehr selbst auf den Schlachthof zu fahren. Wir hatten damals den Famulus und ein Hänger. Gemeinsam wurde aufgeladen und ich habe dann abgeliefert. Dann hat der Staat wieder etwas Neues erfunden.
Die Schweine dürften nur noch 125 Kg wiegen. Für ein Schwein unter
125 Kg war der Preis/kg = 6,30 Mark, war das Schwein schwerer bekam man nur 5,10 Mark pro Kg. Jeder hatte im eigenen Stall gewogen, jedoch maßgebend war das, was der Wäger in der Abnahme wog. Dieser Wäger, Helmut Weidner aus Strega, war ein guter Bekannter, in Groß Jamno verheiratet aber auch schon verstorben. Unsere Verständigung bestand aus Blickwechsel. Wenn er in meine Richtung sah nickte ich mit dem Kopf und eine Korrektur war fällig und 10 Mark meinerseits.
Das Jahr 1951 war sehr ereignisreich. Die Zeit des Ochsenkutschers war vorüber. In Klein Briesnig hatte mein Schwiegervater nach 1945 eine Stute aufgegriffen und hat sie decken lassen, hat das Fohlen, ein schöner Brauner, aufgezogen, aber auch verwöhnt. Wir waren froh, daß wir ein Pferd hatten. Er war zwar als Einspänner zu leicht aber flott. Ich hatte mit ihm damals auch Probleme gehabt, einmal ging er nämlich durch, weil er sich vor einem Zug erschrocken hat. Der halbe Wagen lag vor Frenskes Garten und das Pferd wartete vor unserem Hoftor.
Ich mußte mich auf die Gegebenheiten einstellen, denn was er ein Mal versucht hat, versuchte er immer wieder. Zum Beispiel mußte beim Holz aufladen im Wald seine Blickrichtung immer in Richtung Weißagk sein, denn dann blieb er ruhig.
Ich hatte eine Wiese in der Gemarkung Grötsch, immer Waldweg, Fahrzeit mit dem Pferd bis 1,5 Stunden. Es war ein Erbe aus früheren Zeiten. Diese war umständlich, denn die halbe Wiese bestand aus sumpfigen Untergrund und mußte deshalb mit der Hand gemäht und die Haufen aufs Trockene raus getragen werden. In den 50iger Jahren kam die Maschinen-Traktoren-Station, für uns der Stützpunkt Bohrau. Die Hatten einen leichten Traktor, den RS 08, zum Wiese mähen. Er war auch für Sumpfgebiete einsetzbar. Man mußte ihn bestellen und zum festgesetzten Termin manchmal stundenlang warten bis man ihn bekam. Wenn er dann kam, ging es flott los. Der Traktor hatte auch immer einen Kanister Benzin mit, mit der Bemerkung, 20 Mark und du kannst ihn mitnehmen. Dieser ganze Aufwand war mir zu viel und ich habe die Wiese letztendlich verpachtet. Jetzt ist schon der Kohlebagger drüber hinweg. Ich bekam von der LAUB-AG 11000 Mark.
Als Ersatz habe ich hier in Mulknitz von der Kirche eine Wiese gepachtet. Früher gehörte sie Frieda Noack. Sie hat ihren kleinen Betrieb aufgegeben.
Mit der Düngung hat sie es nicht so genau genommen, es wuchs nur so das Borstelgras.
Bei diesem Zustand hilft nur Kalk und da habe ich von der B.H.G.
4 t bringen lassen und mit der Schaufel ausgebreitet. Im ersten Jahr war die Wirkung noch nicht voll spürbar, aber dann ist eine gute Wiese daraus geworden. Heute genutzt vom Neueinrichter Lerke in Briesnig.
Nun kam das Jahr der Hochzeiten, das Jahr 1970, zwei Hochzeiten in einem Jahr. Ich wollte eine Doppelhochzeit in der Gastwirtschaft ausrichten, war aber nicht machbar, denn Aberglaube ist auch ein Glaube.
Ich habe in diesem Jahr über 20000 Mark investiert, in der guten Gewißheit, daß alles seinen Gang geht.
Ich hatte damals bei der LPG einen Traktor gefahren und konnte ihn ausleihen und mit nach Hause nehmen. Denn wir haben daheim den Anbau gebaut, die drei Abwassergrubekammern ausgehoben u.s.w..
In diesen Jahren haben wir gearbeitet und geschafft.
Es waren Jahre ohne Streit. Wir haben gearbeitet und Vieles erreicht, was zur jetzigen Zeit undenkbar wäre, es war eine gute Zeit. Seit Beginn der Rente habe ich ein Hobby und zwar das Harken machen.
Das Anfertigen von Harken fing im Jahr 1986 an. Denn in diesem Jahr fand die 500 -Jahrfeier von Mulknitz statt. Und zu diesem Fest habe ich
15 Harken in meiner Freizeit, d. h. immer abends oder am Sonntag Nachmittag, produziert und schließlich verkauft. Mit der Hilfe von Horst ist es mir möglich, weiterhin die Harken herzustellen. Meine Harken sind sehr begehrt. Man spottet, daß sie aus dem Delikat seien. In meiner bereits langjährigen Rententagen habe ich so ungefähr 300 � 350 Harken hergestellt. In diesem Jahr waren es 26 Stück. Böse Zungen fragen sich, warum der Dussel dies überhaupt macht. Ja, sie haben recht, wenn sie sagen aus Langeweile.
Aber noch aus einem anderen Grund, denn für 2 verkaufte Harken kaufe ich 150 kg Futtermittel für die Versorgung der Hühner. Und wenn mich jemand fragt warum. Dann bekommt er zur Antwort: �Wer rastet, der rostet�.
Von meiner Enkeltochter bekam ich mal zur Frage, ob ich Oma eigentlich genau so viel Vorhaltungen gemacht habe, wie ich es jetzt tue.
Manchmal ja, aber in einer anderen Richtung. Und zwar habe ich ihr immer geraten nicht so viel zu arbeiten sondern auch einmal auszuruhen.
In den letzten 30 Jahren habe ich auch mit den Krankenhaus Bekanntschaft gemacht. Das erste Mal im Jahre 1979. Unser Mastbulle, der eigentlich friedlich war, war von der Kette los und ich wollte ihn wieder anbinden, da drückte er mich auf einmal an die Wand. Ich bin dann selber ins Krankenhaus gefahren. Die Ärzte meinten, es sei nicht so ernst, aber dann wurde ich immer schwächer und sie mußten eine Notoperation durchführen, denn ich bin innerlich fast verblutet, denn ich hatte einen Milz- und Darmriß. 1982 schaffte mich Horst mit Bauchschmerzen und Übelkeit ins Krankenhaus, dort sagte man mir, daß weiter nichts sei und so konnte ich wieder nach Hause. Ich habe dann die ganze Nacht nicht geschlafen, also wieder rein und auf Station 6. An diesem Tag, einem Dienstag, ist immer OP-Tag. Der Pfleger, sein Name war Roland, kam und sagte: �Du kommst heute auch noch dran�. Er hat mich auf die OP vorbereitet. Es war gegen 11.30 Uhr. Ich war auf dem Weg zum OP-Saal, auf einmal waren die Schmerzen weg, der Blinddarm war geplatzt. Tja hätten die mich früh operiert, wäre es eine leichte Operation gewesen, aber mit einem geplatzte war es nun nicht mehr so einfach. Denn an einem solchen geplatzte Blinddarm sind schon einige verstorben. Ich selbst kannte einen persönlich.
Ich bekam, nachdem alles vorüber war, einen Bauchverband. Das Eiter kam oben und unten hervor, es war kein guter Geruch. Eines Tages bei der Chefvisite kam DR. Karge vorbei. Ich war bei denen als Stierkämpfer bekannt. Er fragte mich, wie es mir geht und ich bat ihn um einen zweiten neuen Verband am Tag. Er willigte sofort ein. Gesiegt hat auch damals meine Konstitution und mein ungebrochener Lebenswille.
Dann hatte ich Beschwerden an den Hüften. Ich wurde daraufhin in Cottbus in der Schwanenstraße vom Oberarzt Dr. Tischer behandelt. Seine Diagnose lautete, Verschleiß der Gelenke, er riet mir zu einer Operation. Ich war skeptisch gewesen und fragte mich, warum es so schnell gehen sollte.
Erkundigungen bei einem Arbeitskollegen, Reinhard Hönke, aus Naundorf hatte ergeben, daß er an den gleichen Beschwerden litt und ein Jahr zuvor, sich in Hoyerswerda operieren lassen hat und seitdem wieder gut laufen kann.
Damals, vor der Wende, waren die Gelenke noch nicht aus dem Material aus dem sie heute sind und eine darauffolgende Physiotherapie früher ein Fremdwort, heute allerdings selbstverständlich.
Also ging ich in die Klinik in Kolkwitz. Dorthin bin ich ohne Armstützen gegangen, verlassen habe ich die Klinik allerdings mit Armstützen, welche seitdem mein täglicher Begleiter sind und seit einigen Jahren auch mein eigener Rollstuhl.
1997 hatte ich Magenbeschwerden, welche sich hinzögerten bis der Stuhl eine schwarze Färbung annahm und ich eines Tages nicht einmal mehr aufstehen konnte um den Fernseher auszuschalten. Am nächsten Morgen mußte ich ins Krankenhaus und gleich auf die Intensivstation, Diagnose: Abszeß am Zwölffingerdarm. Hatten es mit Medikamente versucht, leider nicht geglückt, denn das Blut was sie mir gegeben haben, lief unten wieder raus und somit wurde am selben Tag, abends, noch eine Notoperation durchgeführt.
Und dann kamen schwere Tage. Ich sollte essen, konnte aber nicht.
Und als ich endlich zu Hause war, hatte mich Oma gepflegt.
Es war Spargelzeit. Den Spargel mit Stampfkartoffeln habe ich vertragen und so wurde ich aufgepäppelt. Inzwischen war ich noch drei Mal auf Station, hatte Herz-Rhythmus-Störungen. Zum Glück hat sich alles wieder eingerenkt.
Anfang diesen Jahres war ich im Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus wegen einer Augenoperation, welche erfolgreich war.
Ich möchte noch meiner Schwägerin und meinem Schwager für ihre Hilfe danken. Als sie in Forst wohnten, haben sie in Spitzenzeiten uns immer unterstützt, nochmals vielen Dank.
Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr war ich auch seit 1950, 25 Jahre lang.
Die Bedingungen damals, kein Vergleich zu Heute, es herrschte damals eine strenge Wirkungsbereichsleitung. Tätigkeitsberichte und Wehrleitertagungen wurden jeden Monat durchgeführt. Daran wurde die Arbeit der einzelnen Wehren eingestuft. Wir waren aber ein gutes Kollektiv. Wir haben viel geschaffen im Nationalen Aufbauwerk, besonders der Bau des Gerätehauses 1957. Wir übten damals Löschangriffe, Einsatzübungen der Wirklichkeit entsprechend. Damals wurden auch viel Beachtung auf den vorbeugenden Brandschutz gelegt, manchmal übertrieben, aber alles war dennoch nicht so schlecht. Heute heißt der Schlager �Löschangriff naß�, der Beste ist der, mit der schnellsten Zeit.
Die moderne Technik schreitet voran, eine Sense ist heut bald nur noch ein Museumsstück. Deshalb habe ich einen Frontmäher mit Fräse für die Gartenarbeit und eine Motorsense gekauft.
Dann kam noch die Umstellung der Heizung von Holz-Kohle auf Öl. Die Ölpreise sind wohl gestiegen, aber immer noch billiger wie Kohle und keine Arbeit.
Im Jahre 1999 hatten wir unsere Goldene Hochzeit geplant, jedoch hat uns Gertrud, unsere liebe Oma, ein Jahr zuvor für immer verlassen. Die Gemeinsamkeit hatte dann aufgehört und ich mußte mich damit abfinden.
In diesem Jahr war auch mein 80. Geburtstag. Wir feierten in der kleinen gemütlichen Gaststätte Lehmann in Gosda. Es war ein schöner, gemütlicher und denkwürdiger Tag.
Der liebe Gott hat im Traum zu mir gesagt: �Werner, Du bist ein lieber guter Mensch, aber Du wirst auch zu mir kommen in mein himmlisches Reich.�
Einmal im Leben ist alles vorbei, darauf muß sich jeder vorbereiten.
Ich habe ein Gedicht aus meiner Schulzeit noch in Erinnerung, welches in unserem gemeinsamen Leben volle Gültigkeit besaß.
EHRE DER ARBEIT !
Wer den wuchgen Hammer schwingt.
wer auf dem Feld mäht die Ähren.
wer ins Mark der Erde dringt.
Weib und Kinder zu ernähren.
Wer Strom auf den Nachen zieht,
wer bei Woll und Werk und Flachse
hinterm Webstuhl sich müht,
daß ein guter Junge wachse.
Ehre jede Handvoll Tränen,
ehre jeder nassen Stirn,
hinterm Pflüge und auch dessen,
der mit Schädel und mit Hirn,
hungernd pflügt sei unvergessen.
aufgeschrieben November 2001
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