Mulknitz Forst Lausitz Niederlausitz
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Helmut Geigk
Kriegstagebuch vom 12.12.1941 bis 21.12.1945
Von Helmut Geigk - Handschriftliche Dokumentation
Zur Verfügung gestellt von Matthias Geigk


12.12.1941
Zur RAD Abt. K3/80 in Finsterwalde einberufen. Ankunft in Finsterwalde um 15Uhr, nach der Ankunft in unserem Lager, dort provisorisch in Züge eingeteilt und auf die einzelnen Stuben verteilt. Bettwäsche empfangen und das Nachtlager eingerichtet. Bin hier in der Abteilung mit Erich Kasper aus Bohrau, Arno Lerke aus Weissagk, Siegfried Schulze aus Weissagk, Willi Robel aus Jethe.

13.12.1941
Da die Abt. K3/80 mit dem vorhergehenden Jahrgang in Russland im Einsatz war und dort zur Wehrmacht übernommen wurden, müssen die Sachen und Ausrüstungsgegenstände erst zurück gebracht und gereinigt werden, wir müssen nun bis dahin unsere Zivilsachen tragen.

14.12.1941
Werden nun noch einmal neu eingeteilt, da es an Ausbildern mangelt, wird unserer 4.Zug aufgelöst, ich komme nun zum 2. Zug. E.Kasper und Arno Lerke kommen zum 1.Zug. Wir empfangen Unterwäsche, Stiefel und Sportzeug, sowie Spaten.

15.12.1941
Entgültige Gruppen und Truppeinteilung. Unsere Vorgesetzten (Zugführer) Abteilungsleiter Oberstfeldmeister Troschke, Zugführender Feldmeister Evers, Gruppenführer Buchka, Truppführer Böhm und Offizier Strohfeldt. Zugf. 3.Zug Jamsa

16.12.1941
Beginn mit Stubenordnung, Spindordnung, Bettenbauen, Spaten putzen, Ehrenbezeugungen und Meldungen machen.

17.12.1941
Fertig eingekleidet, beginn mit Antrekübungen, Singen und Unterricht.

18.12.1941
Beginn mit Spatengriffe auf den Stuben

19.12.1941
Erster Ausmarsch zum Baden in die Badeanstalt.

20.12.1941
Erste Löhnung und gemeinsamer Kinogang

28.12.1941
Unser erster Ausmarsch mit Spaten.

29.12.1941
Wir werden vereidigt und haben ab 15Uhr Truppweise geschlossen Ausgang, werden uns aber bald allein überlassen.

31.12.1941
Gemeinsame Sylvesterfeier im Tagesraum, wir bekamen jeder 2 Flaschen Bier, dann gemeinsamer Kinogang um 23Uhr Zapfenstreich

1.1.1942
Wir dürften zum ersten mal selbständig ausgehen und bekommen gleich 10 Minuten nach Zapfenstreich ins Lager zurück, blieb aber ohne nachteilige Folgen.

5.1.1942
Beginn des Vorschriftsmäßigen Dienst, wegen der bevorstehenden Besichtigung gemeinsamer Kinobesuch,

6.1.1942
Lichtbildervortrag von Oberstfeldmeister Troschke über den Russlandeinsatz der RAD Abt. K3/80 am See.

7.1.1942
Wir empfangen Fahrräder und beginnen mit Fahrradexerzieren auf dem Hof und Radfahren auf der Straße.

8.1.1942
Wir fahren mit dem LKW nach dem Kloster Sonnewalde und holen Kartoffeln

10.1.1942
Zum Wachzug der RAD Abt. K3/80 eingeteilt.

13.1.1942
Mittags zum ersten Mal auf wache ausgezogen.

19.1.1942
Besichtigung durch den Generalarbeitsführer von Bothmar, am Vormittag auf dem Hof exerziermäßig und arbeitstechnisch, am Nachmittag Sport und Unterricht, bei einer Temepratur morgens um –33°C.

1.2.1942
Die Hälfte des Wachzuges darunter auch ich bekommen Sonntagsurlaub bis 2.2. um 10Uhr.

3.2.1942
Ausmarsch mit vollem Gepäck Tornister und Spaten mit Einlagen (Tiefflieger und Panzer)

4.2.1942
Mit Bekanntwerden das wir am 20.2. wieder entlassen werden, wird under Dienst bereits wieder darauf eingestellt.

19.2.1942
Morgens mit dem ersten Transport werde ich aus der RAD Abt. K3/80 entlassen und auf dem Bahnhof von Oberfeldmeister Strohfeldt und Böhm verabschiedet.

23.3.1942
Zum Inftr.Ers. und Ausb. Blt. 312 inn Tilsit einberufen. Gestellungsort in Frankfurt/ Oder in der Turnhalle. Dort Einteilung für die einzelnen Standorte und Waffengattungen. Wir treffen uns dort mit denselben Kameraden mit denen ich in Finsterwalde war nur kommen wir mit einigen auseinander. Wir werden dann kurz nach 13Uhr auf dem Bahnhof in einem Personenzug verladen und verlassen Frankfurt gegen 14Uhr in Richtung Küstrin Landsberg Kreuz.

24.3.1942
Weiterfahrt über Schneidemühl, Thorn nach Deutsch-Eylau, dort bekommen wir gegen Abend als Mittagessen Erbsensuppe, sowie unsere kalte Verpflegung. Dann geht es weiter nach Allenstein, dort werden die zur Pak eingeteilten ausgeladen.

25.3.1942
Es geht weiter mit unserem Bummelzug haben oftmals stundenlangen Aufenthalt auf den Stationen und auch auf freier Strecke, wir fahren nun durch Rastenburg, Angerburg bis Insterburg.

26.3.1942
Gegen 10Uhr Ankunft in Tilsit, wir gehen nun nach der von Boyenkaserne wo wir hinsollen. Dort werden wir vorläufig der 1. Komp. Zugeteilt.

27.3.1942
Wir werden nun der 4.Komp. unterstellt und müssen daher wieder in den anderen Kasernenblock umziehen.

28.3.1942
Heute wird nun endgültig eingeteilt, dabei komme ich nun zum Granatwerferzug auf Stube 32. Ich liege auf einer Stube mit den Kameraden E.Kasper, Willi Richter, Gerhard Kretschmar, Gerhard Krautz, Werner Kubillus, Werner Börner, Martin Römer und einige Ausbilder Gerhard Kluge und Werner Schmidt.

29.3.1942
Heute haben wir den Tag der Wehrmacht, es finden hier statt, Besichtigungen der unterkünfte durch die Zivilbevölkerung sowie der Pferdeställe, außerdem darf mit Platzpatronen am Maschinengewehr im Erdbeschuss, sowie Fliegerbeschuss geübt werden. In der Reithalle darf auch geritten werden, sogar mit Fahrzeugen darf auf dem Hof gefahren werden.

30.3.1942
Wir beginnen mit unserem ersten Dienst, kurze Antreteübungen und dann geht es weiter mit der Ausbildung auf den Stuben und auf dem Flur. Unser Dienst beginnt um 5.30Uhr mit dem Wecken 7-11.30Uhr Dienst. 11.30-13.30Uhr Mittag, 13.30-14Uhr Parole, 14-18Uhr Dienst, dann Abendessen und Freizeit. Um 22Uhr Zapfenstreich.

5.4.1942
Astern, wir haben zum ersten male in Tilsit selbständigen Ausgang, mit Behelfsausweis.

10.4.1942
In Vorbereitung der Vereidigung gemeinsamer Kirchgang mit Ausgehanzug und Stahlhelm.

11.4.1942
Feierliche Vereidigung mit anschließendem Vorbeimarsch am General. Empfangen des Soldbuches und der Erkennungsmarke mit der Aufschrift 4.M.O.K.Inftr.Ers.u.Ausb.Btl.312-1162-0. Nachmittag und Abend haben wir Ausgang.

13.4.1942
Wir beginnen mit Waffentechnischer Ausbildung. Gewehr, Pistole und Granatwerfer zunächst alles auf den Stuben, sowie viel politischer Unterricht.

15.4.1942
Erster Ausmarsch in Richtung Flugplatz nur mit dem Gewehr.

17.4.1942
Erste Nachtübung mit erkennen lernen der verschiedenen Leuchtzeichen und nächtlicher Stellungsbau.

21.4.1942
Beginn mit Geländeausbildung auch mit Granatwerfer

28.4.1942
Erster großer Ausmarsch mit voller Ausrüstung.

30.4.1942
Gasmasken empfangen verpassen mit anschließender Gasraumprobe.

10.5.1942
Wir werden bereits zur Feldtruppe abgestellt und eingekleidet.

12.5.1942
Unsere Abstellung zur Feldtruppe wird wieder rückgängig gemacht, wir müssen unsere abgegebenen Sachen wieder empfangen und die anderen abgeben.

13.5.1942
Unsere Ausbildung geht weiter.

14.5.1942
Wir beginnen mit der Geländeausbildung am Feldfernsprecher sowie der Winterausbildung.

16.5.1942
Auf dem Bahnhof in Tilsit habe ich Paul Britze getroffen, er war bei Erich in Riga im Lazarett.

19.5.1942
Wir beginnen mit der Ausbildung am E.- Messer.

21.5.1942
Wir haben im laufe der Nacht 2 mal Fliegeralarm, es wurden Flugblätter und in Ragnit einige Bomben geworfen.

22.5.1942
Große Nachtübung mit allen Waffen, Stellungsbau, Stellungswechsel, Angriffsübungen, Nachrichtenübermittlung bei Nacht.

30.5.1942
Unser 1. großes Granatwerferscharfschiessen auf dem Exerzierplatz, in Anwesenheit aller Kompanien sowie sämtlicher Offiziere unseres Battalions.


8.6.1942
Bekanntwerden unserer Abstellung zum Feld Ers. Btl. 2/216. Einkleidung Feldmarschmäßig mit Tornister packen und Waffen abgeben.

9.6.1942
Feld.-Ers.Btl. 2/216 wird in Alarmbereitschaft gesetzt.

11.6.1942
Der Befehl zum Abmarsch ist gekommen, wir sammeln in der Fletscherkaserne und marschieren auf den Bahnhof, wo wir um 14Uhr verladen werden, um 14.30Uhr verlassen wir Tilsit in Richtung Königsberg mit einem Personenzug. Unterwegs meldet sich unser Stubenkamerad Willi Richter krank und wird in Königsberg ausgeladen und in ein Lazarett gebracht. Wir fahren dann weiter in Richtung Wildenhof, dort werden wir ausgeladen und marschieren nach dem Truppenübungsplatz Stablack und beziehen in dem Barackenlager Stablack Süd Quartier.

12.6.1942
Wir haben keinerlei Dienst außer Sacheninstandhaltung und Verpflegung empfangen.

20.6.1942
Da einige Kameraden vom Btl. Die Ruhe nicht vertragen können und angesichts der immer schlechter werdenden Verpflegung, des Nachts die hier auf dem Platz zum Weiden befindlichen Kühe melken gehen, wird ab sofort strenger Dienst und Fahndung nach den Schuldigen angeordnet.

21.6.1942
Ab sofort täglich 10 Stunden mit Gesang durch die Gegend marschieren, damit wird unser eintöniges Gefängnisleben auf dem Truppenübungsplatz etwas abwechslungsreicher.

29.6.1942
Marsch nach Landsberg/ Ostpreußen wo uns von unserem Kompanieführer trotz strengstem Verbot zum 1. Male nach unserer Abstellung in Tilsit Gelegenheit gegeben wird im Geheimen ein Lebenszeichen von uns zu geben.

30.6.1942
Auf Kommando mit dem LKW nach Stablack Nord Gewehre holen, haben aber keine bekommen.

1.7.1942
Nachdem die Schuldigen die am nächtlichen Kuhmelken beteiligt waren, gefunden und als Strafe zur Strafkompanie abgestellt wurden, lässt die Strenge des Dienstes wieder etwas nach.

4.7.1942
Das Feld.Ers.Btl. 2/216 wird in Marsch gesetzt, wir verlassen um 15Uhr den Truppenübungsplatz Stablack und werden zwischen 16 und 17Uhr in Wildenhof verladen. Nachts Abfahrt in Richtung Landsberg/ Ostpreußen.

5.7.1942
Wir fahren weiter in Richtung Arys, Lyk, von hier haben wir unsere letzte Karte von deutschem Boden nach Hause geschickt, dann geht es weiter nach Treuburg, Augustowo, wir verlassen nun Deutschland und fahren weiter nach Grodno.

6.7.1942
Weiterfahrt über Wilna, gegen Abend Ankunft in Dunaburg vor dem Bahnhof müssen wir lange halten und haben somit Gelegenheit uns die alten Festungsanlagen aus dem 1. Weltkrieg anzusehen. Ferner sehen wir an den hohen Dämmen der Bahnlinie, die im 2. Weltkrieg zerstörten Eisenbahnzüge, die hier runtergekippt wurden. Abends geht es dann weiter durch Dunaburg nach Polvik.

7.7.1942
Wir fahren weiter über Wittebesk, Smolensk, Rosslawe und bekommen hier erstmalig ein Bild der Zerstörung eines Krieges zu sehen.

8.7.1942
Wir erreichen am Vormittag die Stadt Brijansk wo wir bis zum Dunkelwerden stehen bleiben, dann geht es weiter nach Karatschew, dort werden wir ausgeladen. Inzwischen beginnt ein großer Luftangriff auf Brijansk, wo ein Munitionstransport getroffen wird, der einen Pferde und einen Artillerietransportzug mit vernichtet. Wir beziehen nun Quartier in einer Kaserne.

9.7.1942
Abmarsch von Karatschew in nördliche Richtung durch schlecht passierbare und Partisanen gefährliche Waldwege, wir übernachten in einem Sägewerk.

10.7.1942
Wir marschieren weiter auf endlosen sandigen Waldwegen und übernachten in einem Hause, aus diesem werden wir aber bald vertrieben, da uns bereits die Läuse anfallen, wir schlagen also ein Zelt auf.

11.7.1942
Nach dem heutigen 3. Tagesmarsch kommen wir nun in Klemez an und bezihen dort Privatquartier in einem Haus. 21 Mann in einer Stube, hier sollen wir nun für längere Zeit bleiben und weiter ausgebildet werden.

12.7.1942
Wir richten nun unsere Unterkunft einigermaßen nach unseren Wünschen her.

15.7.1942
Wir ziehen um, werden nun alle etwas weiter zusammen gelegt und errichten uns ein Zeltlager.

16.7.1942
Wir bekommen vorläufig eine Feldpostnummer 21359 können nun nach fast 6 Wochen erstmalig auf richtigem Wege Post loswerden.

17.7.1942
Wir bekommen Waffen.

18.7.1942
Wir beginnen wieder mit leichter Waffenausbildung, die Verpflegung hier ist sehr schlecht. Kartoffeln gibt es hier gar keine. Auf dem Felde organisieren gehen wird hier schwer bestraft, trotzdem kommt es zu anderen Diebstählen, die Schuldigen werden dann für einige Tage in eine am Wege stehende kleine Scheune eingesperrt mit einem Posten davor. Am Morgen muss aber alle tage die Feststellung gemacht werden, dass die Inhaftierten im Laufe der Nacht durch das Dach entkommen sind.

24.7.1942
Granatwerferschiessen im Raum von Klemez.

26.7.1942
Wir verlassen Klemez und marschieren nach Frolowo.

27.7.1942
Da wir nun der Front etwas näher gekommen sind, wurde angeordnet, das wir einen kleinen Splitterschutz bekommen, da ja hier schon mehr mit Luftangriffen zu rechnen ist. Außerdem leiden wir hier zum ersten male sehr unter der Mückenplage, sodass an ein Schlafen ohne Moskitonetz gar nicht zu denken ist.

28.7.1942
Unsere leichte Ausbildung geht weiter, dazu haben wir nun noch die Ortswache bekommen.

29.7.1942
Heute muss das gesamte Btl. Mit voller Ausrüstung auf einer Wieser antreten. Es Erscheint der Divisionskommandeur Generalleutnant Freiherr von und zu Gilsa.

3.8.1942
Mein Btl. Wird aufgelöst und aufgeteilt. Um den einzelnen Einheiten der Fronttruppe zur Verstärung zu dienen. Abtransport mit LKW über Shisdra nach Jasenok, dort werde ich der 8. Kompanie 348 zugeteilt. Das 2. Btl.348 liegt in einem Birkenwald in Zelten in Reserve. Ich bleibe noch zusammen mit Werner Börner, Martin Römer und Heini Schröder von der Stube 33. Erich Kasper, Werner Kubillus, Gerhard Kretschmar und Gerhard Krautz kommen wur 8. Kompanie 396.

4.8.1942
Nur leichter Dienst um mit den anderen Kameraden gemeinsam die Waffen zu beherrschen.

5.8.1942
Wir gehen zum ersten male in die Shisdra baden und werden dabei zum ersten male von sowjetischen Flugzeugen angegriffen, haben einen Verwundeten.

6.8.1942
Mit der Verpflegung ist es nun bedeutend besser, haben ja hier bei der Kompanie paar Kühe, da wird nun oft mit Milch gekocht. Unser Dienst besteht täglich aus vormittags 2-3 Stunden Geländedienst, dann 3 Std. Mittag und am Nachmittag Waffenreinigung und baden.

8.8.1942
Wir beginnen mit dem bau von Birkenzäunen um unser Zeltlager.

13.8.1942
Wir verlassen unser Lager und gehen auf den Marsch ca. 20km. Dort kommen wir in einen richtigen Urwald, müssen hier erst einmal Wege roden, damit wir unsere Fahrzeuge in den Wald fahren können, dann roden wir an den Seiten des Weges unsere Lagerplätze. Bauen unsere Zelte sowie Feuerstellen.

14.8.1942
Unsre Zelte werden mit Baumstämmen unterbaut, somit geräumiger und auch gegen Nässe von unten gesichert. Dann werden die Wege zum Lager richtig sauber gemacht. Da der Zufahrtsweg einige tiefe Moorlöcher aufweist, müssen stellenweise Knüppeldämme gebaut werden.

15.8.1942
Um die Wegeverhältnisse zu verbessern, wird angeordnet, aus der ungefähr 1km entfernt liegenden Ziegelei dort gestapelte Fliesen zu holen und an der Seite des Weges einen Bürgersteig zu bauen. Ferner werden zu beiden Seiten des Weges Birkenzäune gebaut und die Zugänge zu den einzelnen Zelten werden besonders schön gemacht. Jedes Lager bekommt einen Namen, diese werden nun auf Plakate gemalt mit Eichenlaubkränzen umgeben über den Eingang zum Lager angebracht.

16.8.1942
Jeden Vormittag wieder Waffenausbildung im Gelände. Am Nachmittag kommt man auf den Einfall, dass der gelbe Bürgersteig etwa für Flieger könnte zum Verräter werden, somit kommt nun der Befehl, die gelben Steine an Stellen mit eventueller Fliegereinsicht mit Dreck zu beschmieren.

18.8.1942
Wir verlassen unser Lager und gehen zu unserem ersten Fronteinsatz, Vormarsch nach Usti. Von dort im laufe der Nacht in die Stellungen gegangen, wir bekommen rechts von Usti eine Waldstellung, hätte beim Gerätausladen fast können Verwundet werden. Bekam einen Gewehrschuss in einen Munitionskasten den ich eben vom Fahrzeug in die Stellung tragen wollte. Unsere Nachbarn sind die 208. und 211. Infanterie Division.

19.8.1942
Wir richten unsere Stellungen und Unterkünfte her um mit unserem Werfer Schussfreiheit zu haben, müssen wir noch einige Bäume fällen, sonst haben wir hier ausnahmsweise ruhige Stellung.

22.8.1942
Wir haben die ersten Verluste. 1 Toter, 2 Verwundete.

23.8.1942
Unsere 1.Gruppe die im Freien auf dem Berge liegt, hat am Tage ihre Wäsche zum Trocknen auf den Bunker gelegt, was im Laufe des Tages von Flugzeugen erkannte wird. Dafür werden sie mit Bomben und Bordwaffen beschossen, haben 2 Verwundete, darunter Gren. Oltersdorf.

30.8.1942
Wir werden abgelöst, Marsch nach Aschkowo, haben hier 2 Tage Ruhe.

2.9.1942
Marsch zur neuen Einsatzstelle bei Paliki am Bahndamm nach Buda. Da auch hier Ruhe herrscht liegen wir vorerst in Zelten, da Bunker für uns nicht vorhanden sind.

3.9.1942
Wir beginnen mit dem Bunkerbau der uns jedoch schwer zu schaffen macht. Es handelt sich hier um einen richtigen festen blauen Ton mit Steinen durchsetzt. Müssen jede Kleinigkeit erst mit der Picke losschlagen.

5.9.1942
Wir haben nun ein 5m langes, 3m breites und 3m tiefes Loch ausgehoben, was uns ja die größte Mühe gemacht hat, wollen uns nun um die Holzbeschaffung zum Abdecken kümmern. Da heißt es, wir müssen 200m weiter vor und etwas weiter nach rechts.

6.9.1942
Wir beziehen unsere neue Stellung und beginnen nun wieder mit den Ausschachtungsarbeiten für einen neuen Bunker in derselben Größe wie der Letzte. Haben hier nun etwas bessere Bodenverhältnisse, sodass wir auch zeitweise mal ohne Picke arbeiten können.

8.9.1942
Da wir mit den Ausschachtungsarbeiten nun soweit fertig sind, beginnen wir mit dem Abdecken. Dazu bauen wir die 50m danebenliegende Bahnlinie ab und tragen Schienen und Schwellen auf unseren Bunker.

10.9.1942
Wir beginnen mit der Inneneinrichtung, holen uns dafür aus Palieki Bretter zum Pritschenbauen.

11.9.1942
Wir ziehen in unseren nun notdürftig fertiggestellten Bunker ein.

12.9.1942
Ein neuer Befehl erreicht uns, wir müssen mit unseren Werfern abermals 200m weiter vor, liegen dann 100m hinter der HKL (Hauptkampflinie)

13.9.1942
Wir beziehen unsere neue Stellung.

14.9.1942
Von unserer neuen Stellung aus müssen wir noch einem im Bahndamm eingebauten Postenstand mit Gewehr besetzen, geht am Tage gleichzeitig als B.- Stelle und Nachts soll er als Alarmposten in Frage kommen. Müssen von dort des Nachts jede Stunde ungefähr 20 Schuss Störungsfeuer mit dem Gewehr rechts und links vom Bahndamm in die Büsche jagen. Unser Bunkerbau geht von Neuem los, da wir nun in einer tiefen nassen Stelle liegen, können wir mit dem Bunker nicht in die Erde. Treiben einen Stollen in den Bahndamm, der nach oben hin mit Schwellen abgedeckt wird.

17.9.1942
Ein Volltreffer vom überschweren Granatwerfer auf den bahndamm bringt eine Erdwand in unserem Stollen zum Rutschen und verschüttet 4 Kameraden den Kopf und größten teil des Körpers, da wir mit 2 Mann nur einige Kies und Steinteilchen ins Gesicht bekamen und mein rechter Arm und Schulter etwas verschüttet wurden, sind wir darauf aufmerksam geworden und konnten die Verschütteten noch einmal befreien.

18.9.1942
Nun befestigen wir auch unsere Außenwände mit Einsenbahnschwellen.

23.9.1942
Wir werden wieder abgelöst von unserem 1. Btl. Und beziehen nun Stellung auf dem Bahnhof in Buda. Hier sind Unterkünfte und Stellungen ausgebaut, haben es in dieser Beziehung mal besser getroffen. Dafür zeugen aber große Mengen zerstörter und vernichteter Panzer auf dem Gelände des Bahnhofs von schweren Kämpfen. Unser Bunker trägt den Namen Mia.

25.9.1942
Oltn. Werner führt nun jeden Vormittag trotz strengem Verbot einen Spähtrupp durch die gegnerischen Stellungen. Erkundet dort in den Büschen dessen genaue Stellungen, Unterkünfte und Mienenfelder und landet dann am Nachmittag wieder bei unserem 1. Btl.

30.9.1942
Obltn. Werner beginnt mit seinem Spähtrupp nun in gegnerische Mienenenfelder durch Ausbau der Mienen freie Durchgänge zu schaffen.

2.10.1942
Heute soll der über die Bahnlinie reichende Frontvorsprung durch Angriff beseitigt werden. Obltn. Werner hat bereits bei Angriffsbeginn seinen Stoßtrupp durch die gegnerischen linien geschleust und beginnt sofort mit dem Angriff von Rückwärts auf gegnerische Unterkünfte und Stellungen. So werden ganze Bunkerbelegschaften bis 20 Mann durch geballte Ladungen vernichtet und MG Stellungen unschädlich gemacht. Ungefähr 15 Minuten nach Angriffsbeginn meldet Obltn. Werner Auftrag seiner Kompanie ist erfüllt. Bei den Kämpfen des heutigen Tages fand unser Zugführer Leutnant Zypressor den Tot.

3.10.1942
In unserem Regimentsabschnitt herrscht wieder vollkommende Ruhe.

8.10.1942
Wir werden abgelöst.

10.10.1942
Wir gehen nach einem Ruhetag nun etwa 10-12km weiter links in Stellung. Haben hier bereits zum großen Teil fertige Stellungen, nur der Wohnbunker muss noch abgedeckt und eingerichtet werden. Obltn. Werner Kompanieführer.

12.10.1942
Unsere Winterunterkunft ist im Rohbau fertiggestellt. Der Bunker sieht folgendermaßen aus. Es wurde von unseren Vorgängern ein 5m tiefes, 5,50m langes und 4,50m breites Loch mit 3m langem Eingang unter der Erde, sowie einen 3m tiefen Lichtschacht nach der rückwärtigen Seite aufgehoben, also ungefähr eine Erdbewegung von 120-130 (Kubik)meter, wovon 80% weggefahren wurden. Als Abdeckung kamen 4 Lagen Holz mit Stroh und Reisig dazwischen als Federung, Gesamtstärke reichlich 2m. Nun kam noch eine Erdschicht von 50-70cm, die als Einziges über die eigentliche Erdoberfläche ragen.

18.10.1942
Als Inneneinrichtung kommt Holzfußboden, die Wände ebenfalls mit Rundholzverkleidung. Die Betten bauen wir von lauter Birkenstangen. Wir belegen den Bunker mit 14 Mann.

19.10.1942
Um den Bunker noch etwas heller zu bekommen, werden nun noch sämtliche freien Wände mit dünnen Birkenstangen beschlagen. Eine Ofensetzerkolonne hat heute dafür gesorgt, dass wir in unserem Bunker einen Kochherd bekommen. Damit wir das Fleisch und Leber, welches unsere Fleischer mitbringen auch braten können, müssen jede Woche an 2 Tagen je 2 Mann zum Tross Kühe schlachten, bekommen dafür etwas Fleisch und die Leber.

20.10.1942
Da nun der Bunkerbau abgeschlossen und auch alles andere in Ordnung ist, muss ich nun fast alle Tage mit dem Zugführer Saletzki als Melder mitgehen. Die Posten des gesamten Zuges , sowie ihre Unterkünfte kontrollieren, sowie zum Kompanie und Batalion Gefechtsstand gehen.

25.10.1942
Wir bauen uns noch einen neuen Munitionsbunker.

28.10.1942
Heute besucht uns unser Divisionskommandeur Generalleutnant Freiherr von und zu Gilsa in unserer Stellung beim schießen und ist maßlos erstaunt, als wir unseren Bunker zeigen. Hatte so was nicht für möglich gehalten.

5.11.1942
Wir gehen heute zum ersten mal in Ignatowka entlausen.

8.11.1942
Bei schwerem Unwetter werden unserem 1. Zug heute Nacht 3 Mann aus dem Postenstand geholt und verschleppt.

10.11.1942
Heute entdecken wir einen lange gesuchten Standort eines gegnerischen Scharfschützen und vernichten ihn durch längeranhaltendes, zusammengefasstes Artillerie und Granatwerferfeuer.

12.11.1942
Unserer Div.Kdr. kommt auf meinem Postenstand als Granatwerfer B.- Posten, unterhalten uns ungefähr 15 Minuten über augenblickliche Lage in unserem Fronbereich, sowie über unsere Heimat, da auch er durch mehrere Besuche beim Grafen von Brühl die Gegend Fort Pförten gut kennt.

16.11.1942
Wir empfangen unsere Winterbekleidung.

30.11.1942
Schwer getroffen vernehmen wir den Befehl, wir werden abgelöst und gehen auf den Marsch, wir werden abgelöst durch die 18. Panzerdivision Traurig und schwer getroffen verlassen wir nun unsere so herrlich eingerichtete Winterstellung, alle in Gedanken wo kommen wir nun wieder hin.

1.12.1942
Abmarsch von Ignatowka über Ludinowo in nördlicher Richtung.

6.12.1942
Ankunft auf einer unbekannten Bahnstation, dort werden wir verladen und abgefahren in Richtung Suchinitschi.

9.12.1942
Wir fahren durch Wjasma nach Sitschewka.

10.12.1942
In Sitschewka ausgeladen und nach 10-15km Marsch in Quartier gegangen, haben nun paar Ruhetage.

15.12.1942
Müssen alle überzähligen Sachen abgeben. Mit geht nur Essgeschirr, 1 Decke oder Zeltplane, sämtliche Waffen- und Ausrüstungsgegenstände und Munition, was jeder irgendwie unterbringen und tragen kann. Bereits am Nachmittag verlassen wir unser Quartier und gehen nach vorn, haben einen sehr langen schwierigen Anmarschweg, da keine Wege nur immer Schnee und Schneeverwehungen. Zu finden sind Panzerspuren, laufen kreuz und quer im Gelände. Wir müssen jeden Anhaltspunkt, dass heißt jeden Baum und Strauch der irgendwie als Orientierung dienen kann, aufsuchen, um unser Ziel nicht zu verfehlen. Da die Front nur Stützpunktweise besetzt ist, kann man leicht zu weit laufen und auf der anderen Seite landen, so kommen wir denn nach ungefähr 10 Stunden anstrengendem Marsch bei unserem Regimentsgefechtsstand an und müssen uns nun erst mal genau orientieren wo nun hin, denn es sind noch 8-10km nach vorn.

16.12.1942
Kurz nach Mitternacht beginnt nun unsere letzte Etappe auf dem Weg zu unserem Einsatzpunkt, welcher nun allerdings der Schwierigste ist. Kommen nun morgens um 6Uhr dort an wo wir hin sollen. Kartenmäßig finden wir hier eine schöne große Ortschaft verzeichnet, aber leider hat hier der Krieg bereits sein grauenvolles Bild aufgezeichnet. Zu sehen ist hier absolut nicht was auf eine einstmalige Ortschaft schließen ließe, denn es ist hier alles restlos zerschossen und runtergebrannt, darauf liegt eine dünne Schneedecke, die im Laufe der Nacht gefallen ist. Von Bäumen bis zu 1m Durchmesser stehen nur noch 1-2m hohe zerfetzte Baumstümpfe, einige einzelne Bäume stehen nur noch außerhalb unseres Stützpunktes. Die meisten Ortschaften liegen hier in diesem Gebiet so zwischen 10-15km voneinander entfernt. Wir beginnen nun im Raum der für uns bestimmten Ortschaft Podossinowka einen geeigneten Platz zu finden um mit unserem Werfer in Stellung zu gehen. Aber vergeblich, unsere Vorgänger hatten ja auch nur Bomben und Granatlöcher gefunden, unten etwas glatt gemacht und fertig war die Werferstellung. Dasselbe taten auch wir. Vor uns waren ja nur noch 16 Mann auf dem Stützpunkt. Ein ganzes Btl. Der 78. Infanteriedivision unser 1. Btl. Geht 3km rechts von uns vor der Höhe von Zscherezowo in Stellung, das linke unser 3. Btl. 2km links von uns im Flachland mit leichtem Strauchwerk und verhältnismäßig ruhiger Lage. Als wir uns nun im Morgengrauen noch beeilen müssen, um unsere Munition einigermaßen in der Werfernähe unterzubringen, fahren bereits hinter uns unsere Sturmgeschütze und Panzer auf. Kurz darauf beginnt auch bereits das feindliche Artilleriefeuer, sowie die Flugzeugangriffe auf unseren Abschnitt. Nach 1 Stunde ist von dem in der letzten Nacht gefallenen Schnee nichts weißes mehr zu sehen, alles ist umgewühlt. Dann beginnt der erste Panzerangriff mit aufgesessener Infanterie. Überall wird nun nur noch geschossen. Man kann nicht mehr feststellen, woher wohin , ob Abschuss oder Einschlag, nur noch ein einziges Krachen und Bersten. Wenn man in die Luft schaut, sieht man weithin dunkle Rauchschwaden, oben erkennt man nun erst, dass auch Flugzeuge ihre Bomben ausklinken und zwischen uns schleudern. Inzwischen ist nun Infanterie des Gegners bis an unsere vordersten Postenlinien vorgedrungen und zu erbitterten Nahkämpfen übergegangen. Die Panzer stehen einige abgeschossen, die anderen zwischen uns durchgefahren im schweren Kampf hinten. Mit unseren wenigen zur Verfügung stehenden Panzern und Sturgeschützen, so jagt nun den ganzen Tag über ein Angriff den anderen, die Infanterie ist auf beiden Seiten nicht voll einsatzfähig, da sie bei Temperaturen bis minus 40°C fast steif gefroren ist. Erst als es Abend wird, zieht der Gegner seine Einheiten wieder zurück. Nun beginnt für uns das furchtbare Tote bergen, verwundete bergen, denn am Tage konnte keiner weg, da fast alles unter Einsicht liegt. Dazu wirkte noch der Frost sehr ungünstig auf die Wunden, viele mussten daran noch sterben. Dann musste wieder Munition aufgefüllt werden, Essen empfangen, die Stellungen ausgebaut, als Unterkunft blieb erst mal ein Granatloch und eine Plane drüber. Es war ja alles gefroren. Man kann ja nicht so ohne weiteres in die Erde, ans schlafen war ja fast gar nicht zu denken, wir hatten ja auch noch Posten zu stellen, dann kamen noch einige Feuerüberfälle vom Gegner mit Granatwerfern oder Artillerie.

17.12.1942
Nach den Kämpfen des Vortages noch nicht recht zur Ruhe gekommen, beginnen diese von Neuem mit unverminderter Heftigkeit. Im Laufe des Tages wieder Angriffe am laufenden Band, mit Panzer und Flugzeugunterstützung. Im Laufe des Tages gelingt es bereits, kleinen Trupps des Gegners durch unsere vordersten bereits dünn gewordenen Infanterieposten durchzudringen und hinten liegende Pak und Granatwerfergruppen anzugreifen. Die Verluste des Tages sind wieder sehr groß. Am Abend entdecken wir nahe unserer Stellung kleine abgedeckte Splittergräben mit Getreidesäcken, die wahrscheinlich von den Bewohnern dieser Ortschaft dort versteckt wurden. Dort konnten wir nun im Laufe der Nacht einige Stunden ruhen und nicht mehr ganz dem Wetter ausgesetzt zu sein, denn wir hatten bis –40°C.

18.12.1942
Erneut einsätzende Kämpfe und ununterbrochene Angriffe bringen uns im Morgengrauen wieder auf die Beine, wir sind wieder von früh bis spät am Werfer. Nu wenn wieder mal bis zum nächsten Ansturm etwas Ruhe ist, geht eine Werferbedienung kurze Zeit in Ruhe. Im Laufe des Tages folgt wieder ein von Panzern und Infanterie des Gegners vorgetragener Angriff dem anderen. Dabei fahren erneut Panzer bis hinter unsere 2. Gruppe, die sich gerade in Ruhe befindet, hat sich durch Unachtsamkeit in ihrem Splittergraben verraten und bekommt nun von Rückwärts einen Volltreffer von einer Panzergranate. Haben als Tote Uffz. Grohs, Ogefr. Lühnenschloss, Ogefr. Arnsbach, Gren. Schmidt und Gren. Kluge. Verwundet wurden der gesamte Rest der Gruppe Ogefr. Drebenstedt, Ogefr. Lehmann, Gefr. Arnold und Gren. Weidner. Ferner wurde am Abend Btl. Kdr. Major Buchholz und unser Komp. Führer Obltn. Lemke verwundet. Ofw. Schäfer wird Komp. Führer.

19.12.1942
Die Angriffe des Gegners lassen nun an Heftigkeit nach, jedoch haben wir unter dem gestern Abend erhaltenen Ersatz schwere Asufälle, da die Verwundeten hier am Tage nicht wegkönnen, müssen diese bis zum Abtransport Schutz unter den hier liegenden zerstörten 360 Panzern suchen. Wo dann noch viele an den hinzu kommenden Frostschäden sterben.

20.12.1942
Die Angriffe lassen weiter an Heftigkeit nach, dafür beginnt nun nachts eine umfangreiche Späh und Stoßtrupptätigkeit, was hinter den vielen zerstörten Fahrzeugen besondere Aufmerksamkeit erfordert. Der Beschuss des Gegners auf die ungefähr 5-7km hinter unserer Front verlaufende Bahnlinie mit Phosphorgranaten wird fortgesetzt. Da dies die einzige Linie ist, die für den gesamten Abschnitt Rschew Verpflegung, Waffen, Munition und Ersatz besorgt. Somit auch der starke Druck des Gegners nur um die Bahnverbindung unterbrechen zu können. So kommt es nun auch noch vor, dass zu kurz gehende Granaten uns in unseren Stellungen mit Phosphor berieseln. Wir haben heute beim Essen holen einige Ausfälle dadurch.

21.12.1942
Ungefähr 5m von unseren Stellungen entdecken wir heute einen weiteren Splittergraben, darin liegen 2 Sowjetische Soldaten mit voller Ausrüstung, die bei einem Angriff der letzten Tage nicht mehr zurück konnten und sich nun hier versteckt gehalten haben.

22.12.1942
Da nun die Angriffstätigkeit am Tage fast ganz aufgehört hat, bemerken wir, dass wir von hinten und wo überall abgeschossene Panzer stehen mit Gewehr, MG und Kanone beschossen werden. Somit beginnt in der kommenden Nacht eine große Säuberungsaktion, die am kommenden Tag und in der darauf folgenden Nacht fortgesetzt wird. Sie bringt als Ergebnis über 70 Gefangene.

24.12.1942
Am Tage herrscht nun völlige Kampfruhe, dafür beginnen Nachts, die am besonderen Feiertagen üblichen Artillerie Duelle ganzer Regimenter, sowie auch der leichten Waffen, die aber keine Verluste fordern, Dieser Feuerzauber hält über die Weihnachtsfeiertage an.

27.12.1942
Wir beginnen nun uns geeignete Plätze für den bau unserer Stellungen und Unterkünfte auszusuchen. In der kommenden Nacht greifen einzelne Flugzeuge des Gegners den Raum von Sitschewka an. Das heißt alle 5 Minuten fliegen ungefähr 3 Maschinen das geht so bis in die Morgenstunden des anderen Tages. Sie treffen einen Teil des dort befindlichen Munitionslagers.

28.12.1942
Wir beginnen mit dem Bau unserer neuen Stellungen und Bunker.

31.12.1942
Abends beginnen auf beiden Seiten wieder die Feuerduelle zum Jahreswechsel.

4.1.1943
Heute beginnt der Gegner mit schwerer Artillerie vom Kaliber 17,2 mit Verzögerung eingestellten Granaten unseren Standort unter Feuer zu nehmen. Immer näher kommende Einschläge, welche trotzdem dem fest gefrorenen Boden Löcher bis zu 1.60m Tiefe aufreißen, erreichen schließlich den 5m von uns entfernt liegenden Splittergraben (Zuggefechtsstand) wodurch der Ofw. Schäfer und sein Melder Gren. Jacobi gefallen sind. Verwundet wurde Uffz. Saletzki, welcher nun sofort zu uns kommt und uns auffordert uns in Sicherheit zu bringen. Da es den Augenschein hat, das dieses Schiessen nur uns Granatwerferleuten dient. Wir verlassen nun unsere Unterkunft und suchen vorübergehend Zuflucht bei den anderen Zügen.

5.1.1943
Wir beziehen nun unsere notdürftig neuerbauten Unterkünfte und Stellungen, die Kampftätigkeit beschränkt sich nun auf Späh und Stoßtrupptätigkeiten, sowie Feuerüberfälle der Artillerie, Granatwerfer beider Seiten, sowie der Stalinorgel. Haben nun nur noch geringe Verluste, bekommen aber als Ersatz nur die wiedergenesenden unserer Einheit.

6.1.1943
Heute wird von unserer bei Sitschewka stehenden Flak ein sowjetisches 6 motoriges Flugzeug zum Absturz gebracht. 4 Mann konnten aussteigen, die Maschine zerschelte vor unseren Stellungen etwa 1000m und brachte uns für ½ Stunde mit unserem Gegner außer Sicht, da nun alle 6 Motoren zu brennen anfingen.

7.1.1943
Bin nun für einige Tage vertretungsweise bei unserem neuen Zugführer Uffz. Saletzki als Melder im Zuggefecht stand.

12.1.1943
Habe heute für ungefähr 14 Tage die Führung unserer 3. Gruppe übernommen.

24.1.1943
Bin wieder bei meiner 1. Gruppe.

25.1.1943
Heute nach 6 Wochen Fronteinsatz bin ich hinten beim Tross, hier haben wir eine Sauna und somit haben wir nun zum ersten Male hier oben Gelegenheit uns zu waschen, zu entlausen und unsere Wäsche zu wechseln.

30.1.1943
Unser 1.Btl. beginnt mit Angriffen auf die Höhe von Zscherezowo, bekommen die Höhe fast fest in ihre Hand, müssen sie aber im Laufe der kommenden Nacht einen starken Gegenangriff des Gegners wieder aufgeben. Auch wir werden in diese Kämpfe verwickelt.

31.1.1943
Ein heute erneut steigender Angriff auf die Höhe von Zscherozowo mit Panzer und Flammenwerferpanzer unterstützt bringt diese nun fest in unsere Hand.

1.2.1943
Bin heute mit der 1. Gruppe zur Verstärkung unserer 3. Gruppe dort eingetroffen. Dort soll ein Angriff zur Frontbegradigung durchgeführt werden, welcher glatt verläuft und bereits am Mittag beendet ist.

2.2.1943
Bin wieder auf unserem alten Standort. Da nun der Abschnitt Rschew in nächster Zeit soll aufgegeben werden, erhalten wir den Befehl, alle Treibstoffvorräte, die sich noch in den dort abgeschossenen Panzern befinden, müssen wir nun des Nachts abfüllen. An Stelle des Postenstehens bin ich nun fortwährend mit Uffz. Saletzki unterwegs um dies alles durchzuführen.

3.2.1943
Wir sollen alle nicht vollkommen unbrauchbaren Panzer sprengen.

4.2.1943
Wir werden durch 102 Infantr. Div. Abgelöst, unser Btl. Besteht noch aus 47 Mann Kampfstärke.

5.2.1943
Wir werden in der Nähe von Sitschewka in einer Baracke untergebracht.

6.2.1943
Wir bauen Schneeschanzen um unsere Fahrzeuge um sie gegen Fliegersicht zu tarnen.

8.2.1943
Wir haben heute unsere Uniformen und Wäsche zum Tross geschickt zum Entlausen, laufen nun in Drillich-Anzügen.

9.2.1943
Wir beginnen mit Ski- Ausbildung unter der Leitung von Obltn. Werner. Zusammengestellt wird die Ski-Komp. Von der 6. Komp. 1 SMG Zug unserer 8. Komp. Und unsere 1. Granatwerfergruppe. Dieser Sport macht uns sehr viel Spaß.

11.2.1943
Während die anderen Komp. Für die Absatzbewegungen im Raum Rschew Schneeschanzen errichten, laufen wir mit unseren Brettern nach Sitschewka zum Kino und Varietee. Jeder muss ein Stück Holz für Feuerung mitbringen, da hier oben nicht viel Holz zu finden ist.

12.2.1943
Wir verlassen unser Ruhelager und gehen auf den Marsch über Sitschewka in Richtung Wjasma. 1. Nachtquartier in einem Schuppen. Da wir in der letzten Nacht noch ordentlich gefeiert haben und dann gar nicht mehr zum schlafen kamen, sowie unterwegs auf dem glatten vereisten Wegen mit den Fahrzeugen bremsen und schieben zu tun hatten, legen wir uns ohne zu essen in eine Ecke des Schuppens schlafen.

13.2.1943
Wir wandern weiter und übernachten in der kommenden Nacht auf einem Feldflugplatz, wo wir am anderen Tag Ruhe haben.

15.2.1943
In Wjasma angekommen, hat unsere Gruppe gerade noch das Glück Karten zum Varieteebesuch zu bekommen, wo wir natürlich ein gutes Programm gezeigt bekommen.

16.2.1943
Wir werden nun wieder verladen und fahren ab über Smolensk.

17.2.1943
Wir fahren weiter über Brijansk, Orel, hier langer Aufenthalt.

18.2.1943
Weiterfahrt nach Smijewka. Dort werden wir ausgeladen, gehen im Nachbardorf in Quartier.

21.2.1943
Nach 2 Ruhetagen gehen wir bei Choroschewski in Stellung und lösen hier einen Teil der 383. Infantr. Div. Ab.

22.2.1943
Leutn. Bodenstedt wird Komp. Führer. Der Gegner beginnt hier stark Kräfte zu konzentrieren. Wir liegen noch in Häusern, denn wir liegen von dem Gegner ungefähr 3km entfernt. Können hier wieder mal 1 Kuh schlachten, geben dem Russen dem sie gehört ½ ab, dieser ist darüber genauso glücklich wie wir.

24.2.1943
Heute beginnt der bereits seit einigen Tagen erwartete Großangriff des Gegners mit 2000 Mann Infantr. Panzern und Luftwaffe auf uns los, kann jedoch in dem starken Feuer unserer Artillerie, Infantr. Geschützen und Granatwerfer, sowie dem schweren Abwehrfeuer unserer Maschinengewehre nur bis 1500m vorkommen. Hier liegt ungefähr 60-70cm Schnee. Nachdem einige Panzer abgeschossen werden, ziehen sich die anderen zurück. Haben hier 8,8cm Luftwaffenflak, haben ½ Stunde 3 Panzer auf eine Entfernung von 3000-3800m erledigt. Am Nachmittag wird uns unsere Scheune auf der wir unsere B.- Stelle haben zusammengeschossen. Errichten uns nun eine neue auf einem Strohschober. Am Abend werde ich laut Kompaniebefehl zum Komp. Gefechtsstand gerufen. Dort werden von jedem zug je 1 Mann die mit unserem Einsatz- Batl. An die Front kamen, wie es heißt vorzugsweise zum Gefr. Befördert.

25.2.1943
Die Angriffe des Gegners gehen weiter, nur die Panzer und Luftwaffenangriffe lassen etwas nach.

26.2.1943
Am Tage nur noch leichte Infantr. Angriffe des Gegners. Dafür beginnt er nun des Nachts mit Stoßtrupptätigkeiten. Als wir nun gerade unsere Unterkünfte verlassen haben und mit dem Werfer zu schießen beginnen, wird das Haus in dem wir unsere Unterkunft haben in Brand geschossen. Können gerade noch das Wichtigste retten.

27.2.1943
Heute beginnen nun die Angriffe des Gegner weiter vo rechts. Wir liegen hier direkt in einem Frontvorsprung und haben uns somit fast nach 3 Seiten zu verteidigen. Wir machen Stellungswechsel 100m nach rechts, infolge des vielen Schnees haben wir es leicht, werfen nur schnell eine kleine Schneeschanze auf und schon ist die Stellung fertig. Auch mit den Verlusten ist es bisher noch sehr erträglich, da der Schnee den größten Teil der Splitter auffängt.

28.2.1943
Die Angriffe des gegners kommen nun aus der Richtung von Nesterowo und Stepnaja Datscha, welche ja auch abgewehrt werden, da er ja hier nun gegen unsere Vorderhangstellung anrennen muss, was ja bei dieser Schneehöhe besonders schwierig ist.

29.2.1943
Haben heute unter Feuerleitung von Ltn. Bodenstedt verschiedene Punkte um Nesterowo beschossen. Vor allen Dingen wollte Bodenstadt dort eine Pak- Stellung des Gegners entdeckt haben, die nun ½ Stunde durch uns beschossen wird. Als nun unser Komp. Führer Leutn. Bodenstedt meldet Feuer einstellen, Pak- Stellung zerstört, haben wir gerade den Werfer zugedeckt und legen unsere leeren Munitionskisten zusammen, was alles noch im knien ausgeführt wird, da haben wir 3m hinter uns einen Einschlag eines Pak- Geschützes. Als wir am Abend wieder schießen wollen, stellen wir fest, dass von dem Einschlag hinter uns ein Splitter gegen unser Granatwerferrohr gegangen ist und dieses so eingedrückt hat, dass keine Granate mehr durch kann.

1.3.1943
Bekommen heute ein neues Rohr zu unserem Granatwerfer. Nun beginnt der Gegner seinen Angriff weiter rechts, wo er mit Panzern einen Durchbruch erzwingen kann. Nun sind wir für 2 Tage von allen Rückwärtigen Verbindungen abgeschnitten. Unsere Stellungen werden hinten durch Panzer bekämpft, haben schwere Verluste.

2.3.1943
Von inzwischen eingetroffener Pak werden die hinter uns liegenden Panzer wieder vertrieben, nun lassen auch die Angriffe von vorn wieder nach.

3.3.1943
Wir machen nochmals Stellungswechsel 150m nach rechts, finden dort einen fertigen Bunker vor. Beginnen nun mit dem Ausbau unserer Stellungen.

4.3.1943
Wir errichten uns 300m weiter vorn eine B.- Stelle und bauen nun einen befehlsmäßigen Graben im Schnee, damit wir unsere B.- Stelle erreichen können.

7.3.1943
Wir beginnen mit dem Bau richtiger Gräben, was ja dem noch herrschenden Frost einige Schwierigkeiten macht, auch muss gleich wieder alles mit Schnee getarnt werden.

8.3.1943
Heute werden in Nesterowo starke Panzeransammlungen festgestellt. Daraufhin erfolgt schweres Artilleriefeuer auf die 1000m vor uns liegende Ortschaft. Kurz darauf greifen 24 Flugzeuge vom Typ Ju87 (Stuka) den Ort mit schweren Bomben an. Bei schweren Flak- Abwehrfeuer wird eine Maschine beschädigt und muss hinter unseren Linien notlanden.

11.3.1943
Als ich heute von meiner B.- Stelle auffällige Bewegungen um Nesterowo vernehme und unserer Gruppe mitteilen will, da wir ja sonst nur mit 1 Mann die B.- Stelle besetzen, wird plötzlich die Leitung durch Granatwerfervolltreffer zerstört. Ich gehe schnell den schaden wieder in Ordnung bringen, als ich wieder vorkomme, finde ich mein Gewehr sowie den Fernsprecher zerstört sowie noch den Flügelschaft von einer Granatwerfer- Granate, die während meiner Abwesenheit genau mein Loch getroffen hat.

18.3.1943
Auch unsere Verbindungsgräben sind nun fertiggestellt. Haben uns sehr viel Mühe und Ausdauer gekostet.

21.3.1943
In unserer neuen B.- Stelle sind wir von links dem guten Ziel eines Scharfschützen ausgesetzt. Bauen diese nun an einem neuen, nun aber günstigen Punkt, gleichzeitig wird von unseren linken Nachbarn der Standort des Scharfschützen ausgemacht und dieser unschädlich gemacht.

29.3.1943
Der gesamte Bunker und Stellungsbau ist nun beendet. Dafür beginnt aber nun von heftigen Regenfällen begleitet ein plötzliches Tauwette, welches die ganze Gegend in einen einzigen Schlamm verwandelt. Damit hören nun sämtliche Kampfhandlungen auf.

30.3.1943
Uffz. Saletzki ist im Feldlazarett in Orel an den Folgen seiner Verwundungen verstorben.

5.4.1943
Nachdem nun das Tauwetter sowie die Regenperiode beendet ist, beginnt nun die Sonne ihr gutes Werk um allen Dreck und Schlamm wieder zu beseitigen.

8.4.1943
Wir liegen bereits ohne Hemd im Sonnenschein und genießen so die herrliche Frühlingssonne.

19.4.1943
Wir gehen nun im See bei der Brennerei in Choroschewski fast alle Tage fischen.

21.4.1943
Wir befestigen nun jede Nacht unsere Stellungen mit einem durchgehenden Drahtverhau.

25.4.1943
Wir verstärken unsere Minenfelder, müssen nun fast jede Nacht Minen nach vorn schleppen.

9.5.1943
Obfw. Witlitzki Zugführer unseres 1. Zuges von einem anderen Feldwebel in betrunkendem Zustand in seinem Bunker erschossen.

10.5.1943
Abends im Dunkelwerden, werden ungefähr 200 Mann aus den Orten im Hinterland des Gegners kommend im Anmarsch auf Nesterowo gemeldet. 2 Stunden später wird unserer Abschnitt von einem verheerenden Feuer des Gegners mit schweren Waffen heimgesucht. Unserer Ofen im Bunker, der vorn am Eingang steht, fliegt mit der Bunkertür und den Fensterscheiben bis an das andere Bunkerende. Vorn erscheinen Sternbündel rot, das heißt Gegner greift an – Sperrfeuer mit allen Waffen. Nach 2 Stunden ist der Angriff abgewehrt. Wir besehen uns den Schaden von gestern Abend. Stellenweise sind die rückwärtigen Verbindungsgräben fast vollkommen zugewühlt. Wir stellen Löcher bis zu 1,80m Tiefe fest. Vorn waren einige Leute bis in unser Minenfeld geraten und bekamen ein furchtbares Abwehrfeuer aller Infanteriewaffen zu spüren und mussten sich so unter schweren Verlusten zurück ziehen. Am Tage beginnt nun unser Do- Werfer und Artillerie mit einem ½ Stündigen Vernichtungsfeuer auf Nesterowo.

15.5.1943
Wir werden durch das 1.Btl. 348 abgelöst.

16.5.1943
Wir errichten uns ein Zeltlager zwischen Postejewo und Bodderitzkoje. Das Btl. Bekommt hier Ersatz und wird hier mit diesem zusammen ausgebildet.

20.5.1943
Heute kommt unsere Rgmts.- Kapelle in den Wald bei Bodderitzkoje und bringt uns ein Wunschkonzert.

24.5.1943
Große Einsatzübung hinter der Front mit scharfer Munition. Es greifen an das 2 & 3 Btl. 348 sowie das 1. Btl. 396. Angriffsziel nach dem Überqueren eines kleinen Flusses eine vom Feind stark befestigte Höhe. Unterstützt wird der Angriff durch 1 Abteilung Artillerie 12 Panzer sowie einem Jagdgeschwader. Besichtigt wird der Einsatz durch Generalfeldmarschall Kluge und Model unserem Div. Kdr. Generalleutnant Freiherr von und zu Gilsa, sowie 2 anderen Generälen und einem Stab von Offizieren. Haben alle auf einer Höhe rechts von uns Aufstellung genommen. Wir haben nur in festen vorbereiteten Stellungen den Feuerschutz für die vorgehenden Verbände zu übernehmen. Unsere 3. Gruppe hat die Aufgabe, mit vorzugehen und dann jenseits des Flusses den Feuerschutz weiter zu übernehmen. Auf Sternbündel rot beginnt der Angriff mit einem Sperrfeuer auf sämtliche Stellungen, dann setzen Panzer mit aufgesessener Infanterie an einer flachen Stelle über den Fluss. An einer anderen Stelle links setzt Infanterie mit Sturmboote und Flosse über, dann wird eine Pontonbrücke gebaut. Nun setzen Panzer und Nachschub über. Wir haben von uns aus gute Übersicht und können alles genau übersehen. Nachdem nun der Übersetzversuch geglückt ist und unsere 3. Gruppe den Feuerschutz übernommen hat, bauen wir unser Gerät ab und machen nun Stellungswechsel nach vorn, hat die Infanterie bereits die feindlichen Gräben gestürmt und die Übung wird als beendet abgeblasen. Sammelpunkt ist unten der Fluss. Während der Übung wurde ein Mann der Absperrposten, da er von seinem Standpunkt die Übung nicht übersehen konnte, worauf er einige 100m vorging, von einem Artillerietreffer getötet. Nachdem alles gesammelt hat, beginnen wir mit dem Abmarsch in unsere Unterkunft. Am Abend haben wir wieder Konzert, außerdem bekommt jeder Zug ein Fass Bier. Hatten uns dann richtig einen angetrunken, da wir das trinken in letzter Zeit nicht mehr gewöhnt sind.

26.5.1943
Abmarsch von Bodderitzkoje nach Glasunowka. Dort Aufenthalt bis gegen Abend, hier bekommen wir den ganzen Nachmittag schweres Artilleriefeuer vom Kaliber 17,2. Haben dadurch auch einige Verwundete. Am Abend gehen wir nach vorn in Stellung. Unterwegs werden wir von Flugzeugen mit Bomben angegriffen. Hier werde ich zum zweiten Male am linken Oberschenkel leicht verwundet, gehe aber wieder nach vorn, desgleichen auch Heini Schröder.

27.5.1943
Wir liegen bei Neskutschnaja in einem Obstgarten und müssen hier Stellung ausbauen, sonst herrscht hier Ruhe.

3.6.1943
Wir ziehen um nach Neskutschnaja 2, haben dort bessere Stellungen, können auch am Tage in einem hier vorbeifließenden Bach ungehindert baden gehen.

6.6.1943
Bis auf Luftwaffeneinsätze und Luftkämpfe keine Kampftätigkeit.

9.6.1943
Durch 78. Sturmdivision abgelöst, wir gehen nach Rückwärts in den Wald bei unseren Artillerie Stellungen.

10.6.1943
Bauen uns kleine Erdlöcher die nur zum schlafen gedacht sind. Zum Splitterschutz sind sie nach obenhin abgedeckt.

14.6.1943
Da wir vor unserem Wald Artilleriestellungen haben bekommen wir auch manchmal Beschuss in den Wald.

23.6.1943
Bei unserer Ausbildung im Walde essen wir alle Tage tüchtig Walderdbeeren.

27.6.1943
Ich fahre auf meinen ersten Heimaturlaub. Nach 15 Monaten Militärzeit, Abmarsch mit dem Essenfahrzeug zum Tross zur Einkleidung und Urlaubsschein empfangen.

28.6.1943
Marsch nach dem Bahnhof Kurakino, dieser Bahnhof liegt unter Feindeinsicht, müssen uns noch Frontmäßig verhalten. Von dort Abfahrt mit elektrischen Bauwagen der Eisenbahner nach Smijewka, von dort Weiterfahrt mit Personenzug nach Orel. Dort beim Stützpunkt unserer Division aufgenommen und verpflegt. Am Abend bekommen wir auf Wunsch Karten zum Kino.

30.6.1943
Abfahrt von Orel mit dem Fronturlauber in Richtung Karatschew, Brijansk nach Gamel.

1.7.1943
Weiterfahrt über Minsk Baranowischi, infolge der dort herrschenden Partisanentätigkeit müssen wir den bewaffneten Schutz des Zuges übernehmen.

2.7.1943
Wir passieren den Urlauberkontrollpunkt in Wolkowisk, Weiterfahrt über Warschau.

3.7.1943
Weiterfahrt über Posen, Frankfurt, Guben. Ankunft in Mulknitz gegen 11.30Uhr. Urlaub bis zum 23.7.

23.7.1943
Abfahrt zur Front gegen 18Uhr über Forst, Cottbus, Guben, Posen mit Fronturlauberzug.

25.7.1943
Wir kommen nur langsam vorwärts, da infolge verstärkter Partisanentätigkeit die Bahnhöfe mit Urlaubern und Transportzügen vollgestopft sind. Fahren nun über Minsk bis Gomel.

27.7.1943
Weiterfahrt über Karatschew kommen am Nachmittag in Orel an. Dort müssen wir uns bei der Frontleitstelle melden und werden dann mit LKW nach Kromi transportiert, da Orel bereits im Großen gesehen geräumt und zur Sprengung vorbereitet ist.

28.7.1943
Aufsuchen meiner Einheit blieb ohne Erfolg. Man kann mir nicht einmal bei unserem Rgt. Sagen wo die einzelnen Btlone liegen.

29.7.1943
Wir suchen weiter, aber ohne Erfolg.

30.7.1943
Heute den Tross der Komp. Gefunden. Beim Spiess der Komp. Zurück gemeldet. Während meiner Abwesenheit had das Btl. 480 Mann an Toten und Verwundeten verloren. Darunter folgende gute Bekannte an Totoen: Btl. Kommandeur Hptm. Doggendorf, Obltn. Seggers 7. Komp., Ltn. Schween 5. Komp., Uffz. Von Spiegel 8.Komp., Gefr. Genter 8. Komp.. An Verwundeten Uffz. Schulz 8. Komp., Fw. Lilie 6.Komp., Uffz. Webbeking 8.Komp., Uffz. Pagel, Uffz Wenzel, Gefr. Schröder, Gren. Rewald alle 8.Komp. Fast alle alten Bekannten sind fort.

31.7.1943
Gehe heute zur Komp. Haben auf einer beherrschenden Höhe Stellungen ausgebaut und bezogen. Werden im Laufe des Tages mehrmals nach schwerer Artillerievorbereitung vom Gegner angegriffen. Am Abend setzen wir uns weiter vom Gegner ab.

1.8.1943
Westlich Nesterowo in Stellung gegangen. Liegen auf einer Höhe an einer Rollbahnkreuzung in Stellung. Werden dort mehrmals von der Stalinorgel beschossen, dabei wird Obergrenadier Brückner verwundet. 2 in unserer Nähe liegenden Artillerie B.- Stellungen bekommen Artillerievolltreffer. 7 Tote. Wir gehen am Abend weiter zurück.

2.8.1943
Wir gehen an einem fast undurchdringlichen Wald in neue Auffangstellung. Werden dort von motorisierten Einheiten des Gegners angegriffen und in schwere erbitterte Kämpfe zum großen Teil in Nahkämpfe verwickelt. Einige Gruppen der vor uns liegenden Infanterie werden eingeschlossen, während wir noch am Schiessen sind, liegt der Gegner bereits 20m vor uns. Wir bauen unser Gerät ab und machen Stellungswechsel nach rechts, wo wir noch sicher sind. Von dort greifen wir nun die in den Wald eingedrungenen Einheiten des Gegners mit gutem Erfolg an. Können dann auch die auf der Höhe Eingeschlossenen eigenen Verbände wieder befreien. Es gelangen aber trotzdem 3 Mann in Gefangenschaft. Da nun der starke Druck des Gegners noch nicht nachlässt, bauen wir auf einem kleinen beherrschenden Höhenrücken 500m rückwärts als Sicherheit am Nachmittag eine Igelstellung und beziehen sie. Nun beginnen die vor uns liegenden Einheiten mit dem für heute Abend geplanten Rückzug. Während wir bis in die Dunkelheit noch unsere erbaute Igelstellung zu halten haben. Im Laufe der Nacht überschreiten wir nun die Oka bei Kromi und gehen an deren Westufer in Stellung. Wo es nun wieder schwerste und erbitterte Kämpfe gibt, da der Gegner versucht über die Oka überzusetzen, müssen wir im Laufe des Tages Stellungswechsel machen, da sich der Druck des Gegners weiter nach links verlagert. Heute startet der Gegner starke Luftangriffe auf die riesigen Täler und Felsschluchten, welche sich einige hundert Meter hinter uns dahinziehen. Dort liegen Tausende von Zivilisten und suchen mit Fahrzeugen und auch zu Fuß mit allem Hab und Gut Schutz. Wahrscheinlich werden diese von den Flugzeugen des Gegners für unsere Trosseinheiten oder auch für Nachschubverbände gehalten und mit Bomben und Bordwaffen angegriffen. Haben hierdurch sehr hohe Verluste an Toten und Verletzten. Bei den Kämpfen dieses Tages werden 6 Flugzeuge des Gegners abgeschossen. Wir haben im Granatwerferzug an Verwundeten Uffz. Rath, Gefr. Weidner, Gefr. Kanzlersky und Gefr. Oltersdorf.

3.8.1943
Dem Gegner gelingt es heute im Abschnitt links von uns über die Oka überzusetzen und einen Brückenkopf zu bilden. Wir gehen am Abend weiter zurück.

4.8.1943
Bei Schottmutti neue Auffangstellung bezogen, erneut schwere Kämpfe bei denen es dem Gegner mehrmals gelingt in unsere Stellungen einzudringen. Alle Einbrüche können abgeriegelt werden.

5.8.1943
Nach tagsüber erneut schweren Kämpfen, gehen wir am Abend weiter zurück.

6.8.1943
Bei Nowo. Patitschino neue Auffangstellugn bezogen.

7.8.1943
Nach nächtlichem Rückzug bei Alinskaja in Stellung gegangen, hier werden wir stark angegriffen. In schweren Nahkämpfen verlieren wir Uffz. Pagel und Gefr. Meier als Verwundete.

8.8.1943
Die Pausenlosen Angriffe des Gegners gehen mit unverminderter Heftigkeit weiter. Inforlge des starken Druckes des Gegner gehen wir Nachts weiter zurück.


9.8.1943
Wir beziehen südlich Dubrawa neue Stellungen. Haben uns vor uns und hinter und ausgedehnte Getreidefelder, welche an dem heutigen Sonntag im herrlichen Sonnenschein goldgelb leuchten. Am Morgen versucht der Gegner bei uns anzugreifen, kommt aber nicht vorwärts. Nach dem Mittagessen setzt eine starke Luftaufklärung des Gegners ein. Dabei werden von unserer Flak 2 Flugzeuge zum Abstürzenn gebracht. Dann müssen wir unser Schussfeld nach rechts verlegen, da der Gegner nun dort im Angriff ist und auch vorwärts zu kommen scheint was jedoch infolge der ausgedehnten Getreidefelder nicht zu übersehen ist. Als jedoch der Gefechtslärm rechts hinter uns beginnt, versuchen wi uns durch einen Melder erst einmal einen Überblick zu verschaffen. Wir bekommen auch sofort den Befehl, den Ort aufzugeben und uns zurück zu ziehen, da wir fast abgeschnitten sind. Während wir nun durch den Ort zurück gehen, werden wir bereits von beiden Seiten mit Gewehren und Maschinengewehren beschossen. Der schlimmste Teil kommt jedoch erst als wir uns dann am späten Nachmittag vom nördlichen Dorfrand in ununterbrochenem Feuer aus dem Ort und von beiden Seiten über eine 400m freie Fläche bis an eine Rollbahn absetzen und dann im gegenseitigen Feuerschutz einen ungefähr 30-40m hohen Höhenzug nördlich der Rollbahn erklimmen. Dort unsere Stellungen errichten und zur weiteren erfolgreichen Verteidigung übergehen. Trotz dieser schweren Kämpfe forderte dieser Tag nur wenige Verwundete von uns.

10.8.1943
Da wir heute günstige Stellungen haben, werden wir vom Gegner kaum angegriffen. Am Abend gehen wir weiter zurück.

11.8.1943
IM Walde von Tuschikinov errichten wir ein Zeltlager und haben einen Ruhetag. Bekommen hier unsere Nahkampfzulage der beiden letzten Wochen sowie Marketenderware.

12.8.1943
Wir beginnen mit Stellungsbau.

13.8.1943
Gehen im Morgengrauen mit unseren Waffen in Stellung, werden aber vom Gegner nur leicht angegriffen. Im Großen hat im Augenblick der starke Druck des Gegners wieder mal anchgelassen.

14.8.1943
Wir werden abgelöst und gehen zurück. Marsch nach Chotejewo (48km)

15.8.1943
Wir beziehen hier bereits zum Teil fertig ausgebaute Stellungen mit Drahtverhau. Haben nur noch die Bunkereinrichtungen einige Werferstellungen und Verbindungsgräben herzurichten.

16.8.1943
Nachdem unsere noch vor uns liegenden Verbände zurück genommen wurden, befinden wir uns wieder im Einsatz. Werden dann auch im Laufe des Tages bereits wieder vom Gegner mit Panzerunterstützung angegriffen. Während dieser Kämpfe werden 7 Panzer abgeschossen.

17.8.1943
Die Angriffe des Gegners nehmen rechts von uns an Heftigkeit zu. Dabei werden dort 6 Panzer abgeschossen. Kröhnert verwundet.

18.8.1943
Der Gegner beginnt mit Flugzeugunterstützung anzugreifen. Wir haben einige Tote darunter 2 Uffz. Wir bekommen einen Volltreffer vor den Bunkereingang und haben 2 Verwundete.

19.8.1943
Die Angriffe dehnen sich weiter aus. Hinzukommt stündlich zunehmendes Artilleriefeuer. Dabei bekommen wir einen Volltreffer auf den Rand unserer Werferstellung. Von dem dadurch hervorgerufenen Erdrutsch wir ein Teil der Stellung zugeschüttet. Müssen wieder freischaufeln.

20.8.1943
Weitere Angriffe des Gegners mit Panzerunterstützung erfolgreich abgewehrt. Großangriff unserer Luftwaffe auf Karatschew.

21.8.1943
Die Angriffstätigkeit des Gegners lässt wieder etwas nach.

22.8.1943
Starke Panzeransammlungen werden durch Luftaufklärung hinter dem uns gegenüberliegendem Gegner festgestellt.

25.8.1943
In den letzten Tagen werden von unserer Luftwaffe starke Angriffe gegen feindliche Panzeransammlungen und Bereitstellungen durchgeführt. Die Erdkämpfe lassen an Heftigkeit nach.

30.8.1943
Uffz. Wenzel an den Folgen seiner Verwundung im Feldlazarett gestorben.

1.9.1943
Der Gegner beginnt am heutigen Tag mit Angriffen auf unsere Stellungen, die durch Panzer und Luftwaffe unterstützt werden. Im Verlaufe der Kämpfe werden 5 Panzer des Gegners abgeschossen.

2.9.1943
Heute verliert unsere Kompanie einige Uffz. Die vor einigen Tagen zur Verstärkung von Nachschubeinheiten zu uns gekommen sind.

3.9.1943
Die Kämpfe nehmen noch an Heftigkeit zu. Es werden im Laufe des Tages wieder 3 Panzer und 2 Flugzeuge des Gegners abgeschossen.

6.9.1943
Nach immer noch schweren Kämpfen am Tages kommt am Abend der Befehl, alle einigermaßen überzähligen Gegenstände mit den Essenfahrzeugen zurück zu schicken, da wir uns am nächsten tag zurückziehen sollen. Rechts von uns wird heute bereits ein Teil der Stellungen geräumt und zurück verlegt.

7.9.1943
Da nun der Gegner gemerkt hat, dass rechts von uns ein der alten Stellungen geräumt wurde, nimmt die Wucht seiner Angriffe weiter zu, wir müssen jedoch noch in unserer Stellung aushalten, da wir am Vorderhang in Stellung liegen, können uns also erst im Dunkeln einigermaßen mit Sicherheit zurück ziehen, was dann auch nach schweren erbitterten Nahkämpfen sowie dem Abschuss einiger Panzer und Flugzeuge des Gegners erfolgen muss. Wir müssen nun mit sämtlichem Gerät ohne Fahrzeuge fast 8 Stunden Querfeldein wandern, wobei wir noch ungefähr 2 Stunden vom Gegner verfolgt werden.

8.9.1943
Wir beziehen neue Auffangstellung südlich Brijansk.

9.9.1943
Wir gehen vom Feind gefolgt weiter zurück. Hier im Laufe des Tages noch einige Partisanenangriffe abzuwehren. 2 Melder sowie ein Offizier die von einer Kompanie zur anderen wollen, verschwinden hier spurlos.

12.9.1943
Wir gehen am Tage zurück und bauen neue Auffangstellungen am Westufer der Desna unsere zurück gehaltenen Sicherungen halten uns den Gegner noch einen Tag fern, somit können wir heute noch in aller Ruhe in der Desna Fische fangen.

14.9.1943
Der Gegner hat heute gegen Mittag die Desna erreicht, wir bekommen in Kürze Gefechte.

15.9.1943
Die Angriffe des Gegners nehmen an Heftigkeit zu.

16.9.1943
Wir kommen an einer rechts von uns gebildeten Einbruchstelle des Gegners zum Einsatz, wo es bereits wieder schwere Kämpfe gibt.

17.9.1943
Wir geben die Desna Stellungen auf uns gehen weiter zurück, wo wir neue Auffangstellungen ausbauen und beziehen.

19.9.1943
Wir gehen östlich Starodub in Stellung.

20.9.1943
Der uns laufend folgende Gegner verwickelt uns bereits wieder in schwere Kämpfe.

21.9.1943
Wir geben Starodub auf uns ziehen uns weiter zurück.

22.9.1943
Westlich Starodub schwere Kämpfe mit motorisierten Einheiten des Gegners. Rgts.- Kommandeur Schulze wird verwundet. Wir setzen uns ab, da wir nun einige Tage Ruhe haben sollen, gehen wir 112km im Gewaltmarsch 1 Tag und 2 Nächte zu unserer neuen Auffangstellung westlich Potschep. In Potschep werden von uns die Verpflegungslager ausgeräumt. Wir finden dort alles was man nur denken kann. Angefangen beim Fußpuder und Zahnpasta, Schokolade, Zigaretten, Zigarren, Tabak, Schnaps und weißes Porzelangeschirr aller Arten mit und ohne Goldrand, Wassereimer und vieles anderes mehr. Hier hat unser Btl. 27 Mann als Vermisste infolge Verirrungen und Betrunkenheit. Finden sich aber alle in den nächsten 8 Tagen wieder bei der Truppe ein.

23.9.1943
Wir beginnen mit dem Ausbau unserer neuerbauten Stellungen.

25.9.1943
Haben unsere erste Feindberührung.

26.9.1943
Schwere Feindangriffe an der Front, sowie Partisanenangriffe im Rücken unserer Stellungen. Dadurch verschwinden von uns einige Kameraden spurlos.

27.9.1943
Auf höheren Befehl setzen wir uns weiter ab.

28.9.1943
Bei Klinsi in Stellung gegangen, es finden nur noch leichte Kampfhandlungen statt.

29.9.1943
Absatzbewegungen gehen nun in aller Ruhe, fast ohne Feindberührung weiter.

30.9.1943
Auffangstellung in Nowosibko.

3.10.1943
Wir beziehen den Brückenkopf Gomel . Hier werden wieder feste Stellungen ausgebaut und alles auf größere Kampfhandlungen eingerichtet.

4.10.1943
Hier beginnen wieder stärkere Angriffe des Gegners zu beiden Seiten der nach Gomel führenden Rollbahn.

5.10.1943
Die starken Angriffe des Gegners gehen fast den ganzen Tag weiter.

7.10.1943
Mit Infanteriewaffen werden 2 Artillerieaufklärungsflugzeuge des Gegners zum Absturz gebracht.

8.10.1943
Wir werden abgelöst von einer von der Neuaufstellung kommenden Einheit und müssen alle Munition die wir nicht mitbekommen können verschießen, da die uns ablösende Einheit andere Kaliber besitzt.

9.10.1943
Marsch nach Gomel, dort auf LKW’s verladen, dann Abfahrt durch eine vom Gegner im Laufe des Tages bereits mehrmals mit Flugzeugen angegriffene Gegend. Fast Baum- und Sträucherlos. Während der Fahrt werden auch wir mehrfach von feindlichen Flugzeugen angegriffen. Bei einem Luftangriff in einer Ortschaft, wo wir mit Bomben und Bordwaffen beschossen werden, werde ich am linken Arm zum dritten Mal leicht verwundet. Ebenfalls wird Uffz. Wenzig durch Kopfschuss verwundet und stirbt. Nachdem wir nun ungefähr 1 Stunde fast ununterbrochen angegriffen werden aber keine weiteren Verluste haben können wir nun unsere Fahrt fortsetzen und gelangen nach 10 Minuten Fahrt in einen Wald wo wir an einer Einbruchstelle am Sbosch zum Einsatz kommen sollen. Hier wird nun in aller Eile Verpflegung empfangen, etwas gegessen, dann kommt der Befehl, alles fertig machen, alle Ausrüstungsgegenstände müssen vollkommen Geräuschlos untergebracht und verpackt sein. Es wird nur das Allernotwendigste mitgenommen, besonders sollen eiserne Portion und Munition, soviel wie möglich mitgenommen werden. Wenige Minutenspäter sammelt das Batallion und rückt in zwei Reihen geführt von Obltn. Mengel und Obltn. Werner in Richtung der Frontlinie zum Nachteinsatz. Wir durchschreiten die vorgeschobenen Stützpunkte des Gegners im Dunkeln, das ganze Gelände ist Urwaldähnlich mit Strauchwerk bewachsen und teilweise unübersichtlich. Gegen 23.30Uhr landen wir nach 4 ½ Stunden Marsch, in denen wir fast 20km zurück gelegt haben, ohne in irgendwelche Kämpfe verwickelt zu werden an unseren Bestimmungsort. Dort gehen wir in Bereitstellung in einem altem verfallenen Graben. Dort wird volle Deckung angeordnet, etwa 15-20 Minuten später wird um unseren Bereitstellungspunkt schweres Artilleriefeuer unserer eigenen Artillerie gelegt, wodurch bei uns 1 Mann leicht verwundet wird. Es ist immer noch strengste Ruhe angeordnet. Kurz nach Beendigung des Artilleriefeuers kommt der Befehl fertig machen und dann geht es in 2 Reihen in Richtung der Höhe, die vor uns gewonnen werden soll, wenn wir bis auf der Höhe sind, soll die rechte Seite rechts und die linke Reihe links um machen und zum Angriff übergehen. Da jedoch schon etwas früher als vorgesehen einer von unseren Vorgehenden Leuten in ein Deckungsloch des Gegners fällt und dadurch den dort drin schlafenden Postenweckt, beginnen die Kämpfe mt einer rasenden Schießerei, beginnend etwas früher als Vorgesehen, es geht aber trotzdem alles fast planmäßig

10.10.1943
Kurz vor dem Morgengrauen haben wir mit dem Gegner noch schwere Nahkämpfe mit Handgranaten. Dann ziehen wir uns auf die von uns zu besetzende Höhe zurück und beginnen uns nun einzugraben, jedoch noch eh wir feritg werden, bekommen wir vom gegner ein gewaltiges Abwehrfeuer aller Waffen zu spüren, da aber unsere Artillerie und Werferbatterien bald das Feuer erwiedern, können wir unsere Stellungen fertig ausbauen und besetzen. Trotz der verhältnismäßig schweren Kämpfe sind unsere eigenen Verluste noch gering. Ogefr. Lühnenschloss wurde in der Nacht verwundet, ihm wurde von einem Explosivgeschoss der Unterkiefer zerrissen. Im Laufe des tages versucht nun der Gegner, mit allen Mitteln unseren Stützpunkt zu umgehen, was jedoch von uns und unserer Artillerie vereitelt wird. Dabei wird der vor uns und rechts von uns liegende Wald vollkommen entästet. Nun wird auch vor uns alles Übersichtlich. Der Einsatz von Panzern ist hier in Folge der Sümpfe unmöglich, daher müssen alle Kämpfe nur von der Infanterie im Zusammenwirken mit der Artillerie getragen werden. Das schwere Feer auf beiden Seiten dauert den ganzen Tag über an. Erst mit Einbruch der Dunkelheit zieht auf beiden Seiten wieder Ruhe ein. Nun erst können unsere Verwundeten geborgen werden. Dann werden uns unsere schweren Waffen, Granatwerfer und SMG’s nachgebracht. Müssen nun in der Nacht unsere Werfer in Stellung bringen und die dazu benötigten Stellungen und Munitionsbunker ausbauen. Wir liegen Nachts noch im Zelt.

11.10.1943
Wir schießen unsere Werfer ein. Auf beiden Seiten tritt fast völlige Ruhe ein. Obltn. Mengel der auf dem Wege zum Tross ist und in Urlaub fahren soll, wird von einem Artillerietreffer getötet. Wir machen am Abend unseren Bunker bezugsfertig.

12.10.1943
Heute muss ich mit Marschkompass und noch 2 Mann durch Sumpf und Gestrüpp auf eine Entfernung von etwa 1400 Meter. Die Anschlussposten der Nachbarkompanie aufsuchen und somit unsere Verbindung herstellen. Wir landen ungefähr 20m hinter dem zu suchenden Posten.

14.10.1943
Wir werden abgelöst, die ganze Nacht hindurch Marsch nach Rückwärts.

15.10.1943
Am Vormittag auf LKW’s verladen mit denen wir auf den Marsch gehen uns weiter nach Süden verlegt werden. Wir überqueren den Dnjeper über eine Pontonbrücke, wobei wir von einzelnen Flugzeugen angegriffen werden. Wir treffen nun gegen Abend im Raum von Lojew ein, wo wir Ersatz und Verpflegung bekommen. Abends gegen 22Uhr kommt der Befehl, zum Nachtangriff fertig machen. Gegen einen im Laufe des Tages über den Dnjeper gebildeten Brückenkopf, dabei kommt es Nachts zu schweren Nahkämpfen, infolge der vielen unbekannten neuen Laute ist der Zusammenhalt besonders schwer, da man noch keinen hat kennen gelernt und diese auch nicht wissen wohin sie gehören, da sie auch noch niemanden kennen. Im Laufe der Nacht wird nun eine vom Gegner besetzt gewesene Ortschaft erobert, desgleichen fallen einige leichte Geschütze des Gegners in unsere Hand.

16.10.1943
Im Morgengrauen befinden wir uns nur noch einige Hundert Meter vom Dnjeper entfernt. Um nun noch den Rest zu bereinigen, werden die hinter uns liegenden Panzer zur Unterstützung angefordert, welche jedoch nicht kommen können, da sie angeblich erst Treibstoff empfangen müssen. Hinter uns stehende Artillerie darf stündlich nur einen Schuss je Geschütz verschießen. Kann uns auch nicht unterstützen. Der Ersatz den wir am Abend bekommen haben ist fast ganz verschwunden, keiner weiß wo sie geblieben sind. Infolge der wenigen noch zur Verfügung stehenden Leute, muss unsere linke Flanke offen bleiben, was der Gegner jedoch bald bemerkt hat und nun von dort angreift. Nun werden wir im Laufe des Vormittags zum Rückzug gezwungen. Als wir die am Abend inne gehabten Stellungen wieder bezogen haben, treffen auch unsere Panzer ein, die uns unterstützen sollten. Jedoch ist es nun zu spät. Der Gegner beginnt nun auch noch mit Luftangriffen gegen uns. Am Nachmittag bekommen wir zur Unterstützung eine Abteilung Heeresflak, welche dann gegen Abend überraschend eine im Anflug auf unsere Stellung befindliche Luftwaffenformation von 40-50 Flugzeugen unter Feuer nimmt und in wenigen Minuten 6 Flugzeuge zu Absturz bringt, worauf der Gegner seine Luftwaffeneinsätze vollkommen einstellt. Dafür aber mit Einbruch der Dämmerung seine Angriffe mit Infanterie bedeutend verstärkt. Was uns zum erneuten Aufgeben einiger hundert Meter Gelände veranlasst, wobei die Artillerie nun mehrere hundert Schuss Munition muss liegen lassen.

17.10.1943
In den nun folgenden 3 Tagen wechselt ein Ort in ununterbrochenen Tag und Nacht ausdauernden Kämpfen insgesamt 13 mal den Besitzer. Man weiß vor allen Dingen des Nachts fast gar nicht mehr mit wem man zu tun hat. Sind es eigene Leute oder Leute des Gegners. Immer wieder müssen wir auf Spähtrupp gehen um die Verbindungen mit den rechts und links liegenden Nachbareinheiten wieder aufzunehmen.

19.10.1943
Wir setzen uns ab von dem hart umkämpften Ort gehen wir ungefähr 500 Meter nach Rückwärts. An einem Waldrand beziehen wir neue Stellungen, eine rechts von uns aus Urlaubern eingesetzte Sammelkompanie ist nun ins Laufen gekommen, wodurch wir dann natürlich auch wieder weiter zurück müssen.

20.10.1943
Wir erhalten nun Artillerie einer Panzerdivision zur Verstärkung, was für uns jedoch zum Verhängnis wird, da diese nun als B.- Stelle mit ihren Funkpanzerwagen nach vorn kommen und direkt hinter uns in Stellung gehen um das Feuer zu leiten. Da es nun nicht lange dauert, bis der Gegner diesen Funkerpanzerwagen ausgemacht ha, bekommen wir nun auch ein gut gezieltes Artilleriefeuer in unsere Stellungen und haben in unserem Zuge folgende Verluste zu beklagen: Gefr. Rewald, Obgefr. Drebenstedt, verwundet sowie vom Ersatz 3 Tote und 4 Verwundete. Ebenfalls wird der Kompanietruppführer Uffz. Münstermann verwundet. Der hinter und stehende Funkpanzerwagen wird darauf fast vollkommen zerstört. Kurz Zeit später kommt ein neuer Funkpanzerwagen nach vorn, der nach ungefähr 1 Stunde so schwer beschädigt wird, dass er muss abgeschleppt werden. Nun wird nur noch mit einfachem Funkgerät gearbeitet.

21.10.1943
Erneut einsetzendes schweres Artilleriefeuer, welches heute Vormittag fast unseren ganzen Kompanietrupp außer Gefecht setzt. Da wir nun die neue Gewehrmunition mit den schwarzen Sthlhülsen bekommen, bei deren Verwendung nur selten eine Hülse auf normale Weise aus dem Lauf zu bekommen ist, liegen überall unbrauchbar gewordene Gewehre herum. Man kann nun mit dem Gewehr fast nicht mehr schießen. Am Mittag müssen wir infolge des weiteren Zurückweichens der rechten Nachbareinheit wiederum einen Geländestreifen von 800Metern aufgeben. Als wir nun einen schwerverletzten Artillerie Uffz. Zum Verbandsplatz bringen wollen, werden wir von einem Hauptmann, der hier eingesetzten Flakeinheit daan gehindert und zum Kampf bis zur letzten Patrone aufgefordert. Als dieser Hauptmann nun wenige Minuten später selber verwundet wird, bekomme ich von ihm sowie der Obgefr. Porstmann den Befehl, die Verwundeten in Sicherheit zu bringen. Während wir nun beim Verbandsplatz sind, bekommen wir dort die Meldung, es geht weiter Rückwärts, da wir nun nicht wissen, wo nun unsere Einheit ihre Stellungen angewiesen bekommt, müssen wir suchen. Da uns nun der Durst plagt, gehen wir erst einmal auf die Suche nach Wasser. Dabei werden wir von einem fremden Major aufgegriffen und seiner Einheit unterstellt. 2 Uffz. Bekommen den Befehl im Wald je eine Igelstellung zu bilden. Sie bekommen jeder 12-14 Mann zugeteilt und ziehen los quer durch Wald. Da ich mit dem Ogefr. Porstmann den Schluß bilde, legen wir uns im Walde mit einem male hin, warten einen Augenblick und laufen nach Rückwärts, kommen nun glücklich aus diesem Revier, nachdem wir uns im Dorf Wasser geholt haben, treffen wir am Abend unsere Essenfahrzeuge und gehen mit diesen nach vorn zu unserer Kompanie. Dort angekommen heißt es mit einem Male beim Essenempfang, ein Stoßtrupp ist im Walde, die Lage ist aber bald wieder klar, sodass es zu keinen Kämpfen weiter kommt. Wir beziehen nun an einer Rollbahn unsere Stellung als Infanterist. Da wir wegen Munitionsmangels unsere Werfer abgeben mussten. Da wir in einer feuchten Gegend liegen, können wir uns nur bis zu 50cm tief eingraben. Unser Battallion besetzt einen Abschnitt von 3 km. Mit 2 Offizieren und 23 Mann Kampfstärke Obltn. Werner verlässt uns nun auch und geht nach Holland auf Btl.- Führer Schule.

22.10.1943
Wir liegen heute an der Seite eines Weges im Einsatz, wo wir bereits am Morgen angegriffen werden. Vor uns sehr unübersichtliches Gelände infolge meterhohem Sumpfgras. Als der Gegner weiter links von uns angreift, müssen wir mit einigen Leuten zur Verstärkung dorthin, wo wir bereits den Gegner 20-30m vor uns im Grase liegen sehen. Wir bekommen für unsere Neugierde auch sofort Gewehrfeuer, bei dem mein Kamerad Otto Porstmann einen Schuss in die Patronentasche bekommt und ihm 6 Gewehrkugeln aus den Hülsen reißt. Daraufhin tauschen wir unsere Plätze, kurz darauf ungefähr 10-15m links hinter meinem Standort ein Granatwerfereinschlag. Da wir noch keine Zeit zum Eingraben hatten, trifft uns die volle Menge der Splitter, so dass mein Kamerad Otto Porstmann sofort blutüberströmt tot liegen bleibt und ich mit der 4. nun aber einer schweren Verwundung betroffen werde. Mein Karabiner ist vollkommen unbrauchbar, sämtliche Holzteile sind vollkommen zersplittert. Der Stahlhelm, den ich am Koppel hängen hatte, gleicht einem Sieb. Die unter dem Stahlhelm befindliche Pistole ist auch unbrauchbar. Kochgeschirr, Feldtasche und Brotbeutel sind ebenfalls wie ein Sieb durchlöchert. Ich werde nun im Schutze des Waldes zum Komp. Gefechtsstand zurück gebracht. Dort werde ich vom Arzt verbunden. Es werden festgestellt Granatsplitterverletzungen am ganzen linken Bein, Gesäß, linke Schulter, linker Arm, linke Seite unterm Ohr und am rechten Fuß. Dann werde ich auf ein Holzfahrzeug geladen und zur Btl.- Sammelstelle in einen kleinen Wald gebracht. Von dort geht es dann mit dem Sanka zur Krankensammelstelle. Hier bekommen wir nun die erforderlichen Spritzen und eventuell noch fehlende Verbände. Dann werden wir in einen kleinen Holzhaus auf Strohsäcken zum Schlafen gelet. In folge der letzten 14 Tage, die ja für uns im Einsatz völlig Schlaflos waren, dazu der große Blutverlust meiner Verwundung ergeben bei mir einen langen etwa 3 Tage dauernden Schlaf mit mir kurzen Transportunterbrechungen.

23.10.1943
Wir werden heute von der Krankensammelstelle in das Feldlazarett in Retschitzka gefahren. Dort werden wir gewaschen frosch verbunden und in Betten gelegt. Ich setze sofort meinen Dauerschlaf fort.

24.10.1943
In Retschitzka in einen behelfsmäßigen Lazarettzug verladen. Wir werden infolge der schon herrschenden Kälte in Papiersäcke gesteckt und im Güterwagen einer am anderen hingelegt. Gegen Abend Abfahrt in westlicher Richtung.

25.10.1943
In Folge Partisanenüberfälle auf die Eisenbahn kommen wir kaum vorwärts.

27.10.1943
Wir werden im Feldlazarett in Pinsk untergebracht, da wir zum Teil wieder operiert und neu verbunden werden müssen.

28.10.1943
Werden mind. Alle 2 Tage neu verbunden. Am Abend muss ich zum Röntgen wo noch weit über 100 Granatsplitter in meinem Körper festgestellt werden.

30.10.1943
Mein linkes Bein soll mir abgenommen werden, wozu ich aber meine Zustimmung verweigere.

3.11.1943
Die Amputation meines Beines ist nicht mehr erforderlich, da alle Wunden inzwischen eine normale Heiltendenz aufreißen.

6.11.1943
Der ebenfalls an einer Verwundung im Feldlazarett in Pinsk liegende Kommandeur des 1. Btl. 348 besucht uns.

16.11.1943
Wir werden wieder in einem Lazarettzug verladen und weiter nach dem Westen gefahren.

17.11.1943
Wir werden wieder Infolge der vielen Partisanenangriffe am schnellen Fahren gehindert.

19.11.1943
Kommen nun endlich in Brest-Litowsk an. Da wir nun bereits wieder 3 Tage unterwegs waren, werden wir hier ausgeladen, sollten ja eigentlich gleich bis nach Warschau gebracht werden. Wir werden nun im Res. Laz. Polygon II untergebracht.

29.11.1943
Seit einigen Tagen gehen nun unsere Gedanken dahin, ob wir nun wenigstens bis Weihnachten in die Heimat zumindest aber etwas näher kommen werden. Ich bin nun 10 Tage hier in Brest- Litowsk, aber vom Arzt sind meine Wunden noch nicht einmal nachgesehen worden. Im Gegenteil, es ist hier dem Personal strengstens verboten, die Verbände abzumachen. SO werden sie nur im Bedarfsfalle durch Überwickeln mit Papierbinden und Zellstoff verstärkt. Mein hohes Fieber der ersten 3 Wochen nach der Verwundung (40-41,5) hat sich etwas gemäßigt, kommt aber hin uns wieder noch mal bis 39.

30.11.1943
Heute werde ich zum ersten Male neu verbunden, sowie die bisher am rechten Bein, sowie am linken Arm befindliche Schiene entfernt. Nach längerem Überlegen des Arztes werde ich nun liegend transportfähig geschrieben. Im Allgemeinen geht es hier schlimmer zu als auf dem Kasernenhof. Bei der Visite muss jeder mit Blickwendung sowie anlegen der noch einigermaßen gesunden Finger an die Gegend der Hosennaht, die man ja im Bett nicht an hat, seine im Betreffende Meldung dem Arzt machen. Irgendwelche Wünsche der Patienten über neue Verbände oder Schmerz bzw. Schlaftabletten, werden vom Arzt wie folgt beantwortet: „Wer ist denn hier der Arzt, sterben müssen sie aber nicht verbunden werden, oder wenn der Patient heute Nacht nicht schlafen kann, dann wird er auf den Flur geschoben. Dort kann er dann toben, damit die anderen wenigstens ihre Ruhe haben.

1.12.1943
Wir werden heute morgen in einen richtigen Lazarettzug verladen und in Richtung der Heimat entgegen gefahren. Unsere Fahrt geht heute über Sieldce nach Warschau.

2.12.1943
Wir fahren weiter nach Kutno, hier bekommen wir vom Roten Kreuz Geschenke an Keks, Bonbon ¼ Ltr. Schnaps, Zigaretten usw. Dann fahren wir weiter über Posen, Krossen, Guben, Cottbus.

3.12.1943
Weiterfahrt über Wittenberg, Magdeburg nach Bad- Harzberg. Hier bekommen wir Abends gegen 20Uhr auf dem Bahnhof an. Bleiben aber über Nacht noch im zuge. Nu ganz besonders dringende Fälle werden noch am Abend ausgeladen.

4.12.1943
Weute werden wir nun alle ausgeladen und in einer großen Badeanstalt gründlich gebadet. Danach bekommen wir neue Wäsche und dann werden wir in die Lzarette gefahren, was ja alles nur Kurhotels sind. Meistens mit Stuben für 2 Personen. Ich komme in das Hotel der Parkhof. Mit noch einem Kameraden auf eine Stube. Ein schönes Balkonzimmer nachder Straße. Von hier muss ich nun von neuen Verbindungen mit zu Hause aufnehmen. Ehe ich den Feldlazaretten von zu Hause hätte Post bekommen, bin ich immer wieder woanders hingekommen. Somit bin ich nun 8 Wochen ohne Nachricht von zu Hause. Auch hier dauert es noch 14 Tage.

20.12.1943
Wir haben hier nun fast alle Tage Weihnachtfeiern, wo wir mit allerhand Geschenken bedacht werden. Auch gibt es immer gut zu Essen und zu Trinken. Erst gegen Morgen geht es zurück auf die Stuben. Wer nicht laufen kann, der wird getragen. Am Tage schlafen wir und Abends geht es dann weiter.

24.12.1943
In diesem Jahre fühlt man sich schon ganz wohl, wenn auch als Verwundeter im Lazarett, aber immerhin als Mensch in weißen Federbetten.

31.12.1943
Wir beschließen das alte Jahr mit einer gemeinsamen Silvesterfeier unten im Tagesraum. Wo wir wieder gut zu essen und zu trinken bekommen. Zu tirnken gibt es Schnaps, Bier, Sekt und Glühwein. Insgesamt pro Person 3 Liter. Wir beenden unsere Silvesterfeier am Neujahrsmorgen nach 5Uhr.

15.2.1944
Ich stelle nun, da ich mit dem Laufen beginne, einen Verlegungsantrag nach dem Heimatlazarett in Forst.

22.2.1944
Mein Verlegungsantrag ist genehmigt zurück gekommen.

23.2.1944
Ich verlasse Bad Harzburg und fahre nach Forst. Fahrt über Wernigerode, Halberstadt, Halle, Cottbus. Ankunft gegen 23Uhr in Forst. Nun im Res. Laz. 101 ein Notbett erhalten.

24.2.1944
Da im Augenblick im Lazarett noch alles überfüllt ist, bekomme ich noch 5 Tage Urlaub.

29.2.1944
Heute werde ich nun im Res. Laz. 101 in Forst stationär aufgenommen.

31.2.1944
Am rechten Fuß operiert und 2 Splitter entfernt.

8.3.1944
Nach dem Teillazarett 101 (Villa Scobel) verlegt. Dort von Dr. Schreyer (HNO Arzt) weiter behandelt.

1.5.1944
Ich werde nun ambulant behandelt.

30.10.1944
Nachdem ich nun 6 Monate zu Hause bin und von Dr. Schreyer ambulant behandelt wurde, wird ich laut Gesetz wieder zur stationären Behandlung ins Res. Laz. 101 (Krankenhaus) Forst überwiesen und dort von Dr. Wollmann und Assistenzarzt Dr. Stope weiter behandelt.

3.11.1944
Zur besseren Heilung der Wunden am linken Fuß wird eine Hautverpflanzung vorgenommen. Ich habe nun wieder strenge Bettruhe. 3 Wochen.

13.12.1944
Heute habe ich zu einer Nierenoperation Blut gespendet (450ccm)

8.1.1945
Ich werde verlegt nach dem Res. Laz. 104 in Forst (Jahnschule). Dort von Oberfeldarzt Dr. Niemann weiter behandelt.

9.1.1945
Ich fahre nach Cottbus zur Orthopädischen Versorgungsanstalt und bekomme nun für mein linkes Bein einen orthopädischen Schutz.

20.1.1945
Ich werde nun verlegt nach dem Res. Laz. 106 (Luisenschule) Forst. Da hier keine Küche vorhanden, müssen wir alle Tage das Essen im Res. Laz. 103 (Mohrs Hotel) holen.

25.1.1945
Wir holen nun mit dem LKW in Cottbus Betten für das geplante Res. Laz. 107 (Volksschule in Berge).

29.1.1945
Ich fahre nach Frankfurt/ O. zur Neurologischen Untersuchung.

9.2.1945
Infolge Annäherung des Gegners müssen wir Forst verlassen. In Forst werden Feld Lazarette. Wir werden verlegt nach Bautzen.

10.2.1945
Wir fahren von Forst nach Bautzen. Als wir in Weißwasser ankommen, haben wir keine Lust weiter zu fahren. Tun nun so, als wenn wir mit dem Zug Cottbus – Görlitz nicht mehr mitkommen und fahren dann wieder nach Hause.

12.2.1945
Heute müssen wir nun nach Bautzen abfahren. Kommen Nachmittag in Görlitz und Abends in Bautzen an. Da nun hier inzwischen auch Feld Lazarette wurde, sollen wir sofort wieder zum Fronteinsatz, wozu wir jedoch keine Lust haben. Ich behaupte nun das ich noch Orthopädische Schuhe bekommen soll, obwohl ich sie schon habe. Mein Trick gelingt und ich soll verlegt werden zu meinem Ers. Truppenteil in Hameln. Wir kommen nun von der Krankensammelstelle in eine Kaserne, wo unsere Reisepapiere in Ordnung gebracht werden.

13.2.1945
Ich bekomme nun meinen Marschbefehl zum Infantr. Ers. Ausb. Btl. 348 in Hameln. Da aber die Züge nach dem Westen mit Flüchtlingen aus dem Osten überfüllt sind, ist es mit den meisten Zügen nicht möglich mitzukommen. Als wir dann am späten Abend doch mit einem Zug mitkamen und kurz vor Dresden waren, begann der große Luftangriff auf Dresden. Wir kehrten daraufhin wieder um und fahren nach Bautzen zurück.

14.2.1945
Heute am späten Nachmittag gelingt es mit einem Zug nach Hoyerswerda mitzukommen.

15.2.1945
Heute gelingt es mir, bis nach Falkenberg zu kommen.

16.2.1945
Ich erreiche heute Halle, gegen Abend Weiterfahrt in Richtung Halberstadt.

17.2.1945
Ankunft in Halberstadt gegen Mittag Weiterfahrt bis Goslar. Am säten Nachmittag geht es dann weiter. Kommen am späten Abend in Hameln an, wo man uns von der Bahnhofswache wegen zu langer Reisezeit vor ein Kriegsgericht stellen will. Werden dann aber nach 2 stündigem Festhalten freigelassen und müssen uns nun mitten in der Nacht in einer vollkommen fremden Stadt bei Regen die Linsingen Kaserne suchen.

18.2.1945
Da auch hier alle Unterkunftsräume überfüllt sind, werden wir im Keller auf Strohsäcken untergebracht.

19.2.1945
Muss heute zum Arzt zur Untersuchung und kann mir nur mit Mühe einen weiteren Aufenthalt in Hameln erkaufen. Da alles was einigermaßen laufen kann wieder an die Front soll.

21.2.1945
Wir ziehen um und bekommen nun ein Massenquartier auf Strohsäcken auf dem Boden. Treffe hier nun mit vielen alten Bekannten zusammen, die ebenfalls als Verwundete hergekommen sind.

3.3.1945
Ich muss zur Untersuchung nach Hannover in ein Lazarett.

26.3.1945
Wir fahren mit 6 Mann Pferde holen. Abfahrt mit der Bahn nach Hannover. Dort müssen wir durch riesige Bombentrichter sowie über gewaltige Trümmermassen durch die ganze Stadt laufen. Da bei dem Luftangriff am gestrigen Tage die ganze Stadt schwer verwüstet wurde und somit der gesamte Verkehr vollkommen zum Erliegen kam. Man war überall noch mit der Bergung der Verschütteten beschäftigt.

27.3.1945
Wir halten uns unerlaubt in Celle auf, ohne die Pferde in Empfang zu nehmen.

28.3.1945
Nachdem wir nun in 2 Tagen die Stadt Celle haben kennen gelernt und 2 mal im Kino waren, holen wir heute gegen Abend die Pferde und Fahrzeuge in der Kaserne und fahren nach der nächsten Ortschaft um dort zu übernachten.

29.3.1945
Heute beginnt unsere Abfahrt in Richtung Hameln. Als wir am Nachmittag Hannover durchfahren, wird Fliegeralarm gegeben, sodass wir nur mit Mühe durch die zum Luftschutzbunker strömende Menschenmenge durchkommen können. Als wir aus Hannover heraus kommen, werden wir von Tieffliegern angegriffen. Wir können uns zum Glück noch schnell hinter einigen Häusern zu Sicherheit bringen. Hier sind an den Straßen fast sämtliche Baumkronen durch Fliegerbeschuss abgeschossen.

30.3.1945
Wir treffen gegen Abend mit unseren Gespannen in Hameln ein, wo ebenfalls wieder Fliegeralarm gegeben ist.

31.3.1945
Wir haben nun fast Tag und Nacht Fliegeralarm. 12 Stunden hintereinander ist keine Seltenheit mehr.

1.4.1945
Die Osterfeiertage bringen uns nur einigermaßen erträgliche Ruhe.

3.4.1945
Amerikanische Panzer werden 12km vor Hameln gemeldet. Wir müssen nochmals alle zur Tauglichkeitsuntersuchung, wo ich Infanterie Untauglich geschrieben werde.

4.4.1945
Infolge des Anrückens Amerikanischer Truppen, bekomme ich einen Marschbefehl mit Versetzung zur Art. Ers. Abt. 3 in Braunschweig. Als wir Hameln am Abend verlassen, werden bereits die Weserbrücken gesprengt. Übernachten im Kuhstall.

5.4.1945
Auf dem Marsch nach Hildesheim machen wir gegen Mittag im Walde kurze Rast. Dabei werden von uns die uns mitgegebenen Papiere, die sich in einem versiegelten Briefumschlag befinden unerlaubt heraus genommen, nachgesehen uns wieder in den Umschlag gesteckt, welcher wieder genau zugeklebt wird. Dann kommen wir durch die schwer verwüstete Statd Hildesheim. Auf dem Bahnhof stehender Munitionszug getroffen wurde, der die ganze Umgebung buchstäblich verwüstet hat. Auf dem Bahnhof lagen ganze Güterzüge übereinander und auf den Ruinen ehemaliger Güterschuppen. Infolgedessen können wir heute nur Stückweise mit der Bahn fahren und zum Teil zu Fuß versuchen weiter zu kommen.

6.4.1945
Heute können wir nun fast von Hildesheim bis Braunschweig mit der Bahn fahren. Als wir kurz vor Braunschweig sind, entschließen wir uns zum Aussteigen, da wir keine Lust mehr haben nochmals in die Kaserne zu gehen. Wollen und nun erst einmal über die richtige militärische Lage erkundigen. Wir gehen bei einem Bauern nach am Flugplatz in Quartier, stellen aber fest, dass es uns nun doch noch zu lange dauern kann.

7.4.1945
Aus Gründen der Sicherheit gehen wir nun heute zu unserem neuen Truppenteil der Artillerie. Wir müssen hier durch die ganze schwer zerstörte Stadt Braunschweig, wo wir ganz fanatische Aufpasser mit größeren Kolonnen Arbeitern treffen, die dabei sind, Panzersperren zu errichten, wie es von der hiesigen Parteileitung laut Gaubefehl angeordnet wurde. Als wir uns nun am Nachmittag bei unserer neuen Einheit melden, antwortet man uns, Ihr kommt von der Infanterie, wir können euch nicht gebraucht, wir haben ja keine Geschütze und Fahrzeuge mehr, wir dürften nur noch Leute zur Infanterie schicken. Auf unsere Bemerkung, dass wir dort ja Untauglich sind, wird uns in einem der vielen von Bombentreffern halb auseinander gerissenen Kasernenblocks eine Unterkunft angewiesen. Fenster und Türen gibt es nicht mehr, die Wände haben Risse durch die man den Kopf durchstecken kann. Wasser und Licht gibt es ebenfalls nicht mehr. Wir werden nun der Fahr. Batterie Art. Ers. Abt. 3 Heinrich von Löwe Kaserne zugeteilt.

8.4.1945
Wir müssen kranke Pferde putzen, füttern und pflegen.

10.4.1945
Da der heldenhafte Gauleiter Lauterbacher aus Hannover geflohen ist, welcher die Verteidigung der Städte Hannover, Braunschweig und Hildesheim angeordnet hat, word vom Militärkommandanten die Stadt Braunschweig zur offenen Stadt erklärt. Das Gleiche gilt für die Städte Hannover und Hildesheim. Sämtliche Panzersperren müssen in kurzer Zeit wieder weg geräumt werden, desgleichen müssen innerhalb weniger Stunden alle Militäreinheiten die Stadt verlassen. Somit bekommen auch wir nun einen Marschbefehl, auf Grund dessen werden wir zu einer neuen Einheit verlegt. 1 Oberleutnant uns 22 Mann sollen mit den einigermaßen wieder genesenden Pferden nach Magdeburg zur Festungspak, alle einigermaßen Infanterietauglichen zur Neuaufstellung der letzten Hoffnung der Fahnenjunkerdivision Scharnhorst und Gneisenau im Raum Elbe. Wir beziehen für die Nacht Unterkunft in einer Feldscheune unweit von Braunschweig, wo wir natürlich Abmarschbereit liegen bleiben. Im Laufe der nächsten Stunden erreichen uns dann auch der Befehl zum Abmarsch auf der letzten vom Gegner noch nicht besetzten nach Königslutter führenden Straße, wo wir auch schon zum Teil mit Maschinengewehren beschossen werden. Infolge der Dunkelheit und Mangels an Karten ist es schwierig die richtige Straße zu finden.

11.4.1945
Unser Marsch geht über Rautal, Königslutter Gr. Dahlum zwischen Schoppenstedt und Schöningen. Dort nehmen wir auf dem Gutshof unser Mittagessen in Empfang. Da kommt die Meldung im Nachbardorf Eizum befindet sich die Panzerspitze des Gegners (3km von uns). Da in Gr. Dahlum viel Luftwaffenflakeinheiten liegen, verlassen wir fluchtartig den Ort um nicht in eventuell stattfindende Kampfhandlungen verwickelt zu werden. Da wir im ersten besten Augenblick mit diesem unnützen Kram Schlussmachen wollen. Kaum sind wir aus Gr. Dahlum, da sehen wir die Panzerkolonne des Gegners rechts von uns auf einer Höhe und überholen und dann 2km vo uns auf unsere Straße fahren. Wir liegen darauf kurz nach links in den 300m entfernten Wald und entledigen uns aller Militärsachen, Waffen besitzen wir ja schon lange nicht mehr. Dann nimmt jeder an Lebensmittel was er denkt und tragen kann. Unser Oberleutnant verabschiedet sich auch von uns und wünscht uns eine glückliche Heimreise. Nur 2 fanatische Unteroffiziere wollen an der Elbe noch einmal weiter kämpfen. Alle anderen wollen in die Heimat. Ich gehe mit noch 3 Kameraden nach Warburg bei einem Bauern in Quartier.

12.4.1945
Wir helfen beim Bauern Kartoffeln stecken, am Nachmittag fährt auch hier eine über Königslutter kommende amerikanische Panzerkolonne in Richtung Schöningen vorbei und wird von 3 verbelndeten Unteroffizieren und 5 Mann der Luftwaffe im Walde mit Gewehren angegriffen, wobei alle 8 Deutschen getötet werden.

15.4.1954
Da wir von polnischen Arbeitern verraten werden, müssen wir Warburg verlassen, Abmarsch über Lngenleben, Tezelstein, Härpke, Eilsleben.

16.4.1945
Weitermarsch über Oschersleben und Hadmersleben. Hier werde ich von einer aus Polen bestehenden Streife mit vorgehaltener Pistole nach Waffen untersucht. Mit wird dann von der Streife empfohlen, nur die Hauptstraße zu benutzen. So muss ich nun einen 3km langen Umweg nach Etgersleben machen.

17.4.1945
Weitermarsch nach Wanzleben, Ottersleben. Ich wollte nun bei Magdeburg versuchen über die Elbe zu kommen, da aber hier nun die letzten grausamen Kämpfe stattfinden, mache ich hier in unmittelbarer Nähe von Madgeburg kehrt und wandere nach Egeln.

18.4.1945
Heute finde ich auf der Straße ein weggeworfenes Damenfahrrad und fahre nun nach Strassfurth und Bernburg an der Saale. Dort mit einem Kahn über die Saale übergesetzt.

19.4.1945
Fahrt nach Alen an der Elbe. Auch hier keine Möglichkeit über die Elbe. Ich fahre zurück nach Porst. Unterwegs werde ich von Wehrwolfeinheiten aufgefordert weiter zu kämpfen, was ich jedoch verneine. In Porst übernachtet.

20.4.1945
Ich fahre nach Dessau wo ich versuchen will über die Elbe zu kommen. Am Rande von Dessau werde ich von amerikanischen Panzertruppen angehalten, untersucht und verhört nach meinem Wohin und Woher. Als ich erkläre, ich komme aus dem Lazarett und will nach Hause, soll ich mit vorschriftsmäßigen Papieren versehen und weitergeleitet werden. Wir werden zunächst in einer Gastwirtschaft eingesperrt.. Der Raum in den wir geführt werden, ist mit Zuckersäcken voll gestellt auf denen wir nun sitzen bzw. liegen. Wir lassen und die Gelegenheit nicht entgehen und nehmen von dem Zucker an uns was wir unterbringen können. Dann werden wir zu der Ortskommandatur geführt. Dort wurden bisher richtige Entlassungspapiere ausgestellt. Als wir aber dort ankommen, wird gerade eine Gruppe ebenfalls Gefangener heraus gebracht und uns geklärt, das infolge des Wehrwolfs keine derartigen Entlassungen mehr ausgestellt werden, sondern auf Befehl General Eisenhowers alle auf der Straße angetroffenen Wehrfähigen Deutschen von 14-45 Jahren gefangen zu nehmen sind. Wir werden nun wieder in die Gastwirtschaft zurück gefahren und bekommen dort etwas zu Essen. Dann werden wir mit einem LKW aus dem Ort gefahren und außerhalb auf einem Gehöft einer anderen Gruppe amerikanischer Soldaten übergeben. Dieselben hielten hinter dem Gehöft Stellungen besetzt. Nachdem wir nun nach Waffen durchsucht waren, wurden uns Messer, Scheren usw. abgenommen. Wir werden nun bereits als Gefangene angesehen und behandelt. Von den Offizieren der uns hierher gebracht hat, bekommen wir noch einmal Verpflegung, dann werden wir in eine Futterkammer, die gleichzeitig auch Hühnerstall war, eingesperrt. Davon kommt ein Posten. Am Nachmittag bekommen wir in unsere nähere Umgebung Artilleriebeschuss, sodass von unserem Stalldach die Dachsteine nur so runterfliegen. Unter den Amerikanern wird es nun lebhaft. Nach kurzer Zeit müssen wir aus unserem Hühnerstall herauskommen. Dann sehen wir das nebenan der Stall durch Artillerievolltreffer zusammen geschossen ist. Wir werden hinter unseren Stall geführt, dort sind amerikanische Soldaten mit den Ausheben von Deckungslöchern beschäftigt, was ihnen wohl nicht gerade gut bekommt, denn sie sind hier auf nassen Lehm gekommen und bekommen ihn nicht mehr von ihrer großen Schaufel los. Nun übergeben sie uns die Schaufeln und Spaten, denn wir sollen für sie weitermachen, haben aber auch keine Lust zu dieser Arbeit. Als wir ungefähr 10 Minuten bei der Arbeit sind, kommt der Offizier, der uns dorthin gebracht hat und erklärt den amerikanischen Soldaten ganz energisch, dass sie uns damit in Ruhe lassen sollen und ihre Arbeit selber tun. Wir bekommen nun von dem Offizier nochmals Verpflegung und werden dann wieder in den Hühnerstall eingesperrt. Mit Einbruch der Dunkelheit müssen wir einen LKW besteigen und werden nun nach einer Sammelstelle gefahren. Dort werden wir wieder untersucht und unser Gepäck um einiges erleichtert. Wir werden nun in große Fabrikhallen mit Glasdach untergebracht in denen noch viele Eisenteile lagern. Dort bekommen wir am Abend wieder Artilleriebeschuss. Werden nach am Abend mit LKW zu einer anderen Sammelstelle abtransportiert, dort werden wir auf einem Hofe wieder genau untersucht und um einiges erleichtert. Hier sind wir nun schon einige hundert Gefangene. Da uns auf dem Hof zu kalt wird, drängen wir uns in die Schmiede wo wir zwischen Pflügen und Eggen unser Nachtlager beginnen.

21.4.1945
Am Vormittag werden wir nun wieder auf LKW verladen. Mit uns gefangen sind nun auch Luftwaffenhelferinnen und Rote Kreuz Schwestern. Unser Ziel ist nun Heffta bei Eisleben, wo wir wieder unser Gepäck auf die Straße packen müssen. Hier wird uns gründlich alles abgenommen, Decken und Mäntel werden wir sofort los, auch alle Lebensmittel, Photoapparate, Uhren und Ringe gehen auch in anderer Eigentum über. Dann werden wir auf einen freien Platz getrieben. Ein Kamerad der noch einmal nach einer weg genommenen Decke greift, wird mit dem Gewehrkolben geschlagen. Wir bekommen nun gleich eine geringe Verpflegung aus amerikanischen Konserven. Gemüse, Wurst. Am Nachmittag müssen einige von uns helfen, Stacheldraht um unser Lager zu ziehen. Somit fühlen wir uns nun als richtige Gefangene.

22.4.1945
Nachdem wir nun bereits mit 3-4 tausend Mann eine raue, kalte, regnerische Nacht im Freien zugebracht haben, füllt sich unser Lager unaufhaltsam. Heute beginnt sich nun die Gefangenschaft von der anderen Seite zu zeigen. Wir müssen nun in Fünferreihen antreten und bekommen für den ganzen Tag eine Büchse Gemüse (Deutsche Wehrmachtskonserven) für 5 Mann und 1 Trinkbecher Wasser.

25.4.1945
Da der Zustrom an Gefangenen in unser Lager weiter anhält, muss bereits vergrößert werden. Als Verpflegung bekommen wir pro Tag mit 6 Mann 1 Büchse Gemüse und pro Mann 1 Trinkbecher Wasser. Nach 4-6 Stunden Schlage stehen.

28.4.1945
Infolge des schlechten Wetters wühlen wir mit den Händen und leeren Konservenbüchsen Löcher, in denen wir Nachts vor dem kalten Wind und Regen etwas Schutz suchen wollen.

29.4.1945
Vom amerikanischen Lagerkommandanten wird durch Lautsprecher bekannt gegeben, dass das Löchergraben verbotenist und erst wieder Verpflegung ausgegeben wird, wenn alle Löcher wieder zugemacht sind.

30.4.1945
Nach langen Regenfällen sind wir vollkommen durchnässt sowie das Lagergelände stellenweise nur noch Morast. Verwundete mit Krücken, da sie Beinamputierte sind und beim Verpflegungsempfang ihre Büchse, die ihnen zugeworfen wird, nicht richtig fangen können und sie dann aus dem Morast aufheben wollen, werden sofort mit Knüppeln in Zaunlattenform geschlagen.

4.5.1945
Vor dem Arztzelt häufen sich die Kranken und Verwundeten und warten auf Abtransport in die Lazarette. Verschiedene liegen bereits seit 24-36 Stunden fast besinnungslos. Gegen Abend werden diese dann von einem kleinen LKW abgeholt und in mehreren Schichten übereinander aufgeladen.

10.5.1945
Heute habe ich das Glück mit aus diesem großen Gefangenenlager, das nun 80-90 tausend Gefangene zählt hat, abtransportiert zu werden. Die Fahrt geht über Erfurt, Gotha, Eisenach nach Hersfeld. Hier werden wir in einem kleineren Gefangenenlager untergebracht mit Einzelkäfigen für 2000 Mann.

12.5.1945
Infolge der großen Hitze und der schlechten Verpflegung der letzten Wochen, wind wir völlig erschöpft. Am Tage bei starkem Sonnenschein gelingt es uns gar nicht mehr aufzustehen. Sobald wir uns hinsetzen wird uns schwarz vor Augen und wir fallen wieder um. Täglich wird nun von hier ein Eisenbahnzug mit Gefangenen beladen und nach Frankreich geschickt, wo wir natürlich nicht hinwollen.

16.5.1945
Heute werden 2000 Gefangene gesucht, die in Deutschland freiwillig zum Arbeitseinsatz kommen sollen. Wozu ich mich auch freiwillig melde. Von manchen Kameraden werden wir zwar für verrückt erklärt, aber wir sind der Meinung schlechter kann es ja bald nicht mehr kommen. Entweder besteht die Möglichkeit dann etwas zum Essen zu organisieren oder im Notfall zu entfliehen.

17.5.1945
Abtransport mit LKW über Ziegenheim, Neustadt, Kr. Marburg nach einem ehemaligen RAD Lager bei Ammendorf. Dort werden wir zu Kompanien zusammen gestellt, je Komp. 200 Mann, 1 Offizier und 1 Spies. Das Btl. Führt ein Major mit 2000 Mann. Nachdem wir die Baracken gesäubert und eingerichtet haben, beziehen wir unser Quartier. Am Abend zieht ein schweres Gewitter über uns weg und wir sind glücklich, ein Dach über dem Kopf zu haben.

19.5.1945
Wir kommen aus Neustadt zum ersten Arbeitseinsatz, Straßen sauber machen, in Gebäuden aufräumen. Bei einem Bäcker bekommen wir einige Brote, die wir natürlich nicht zeigen dürfen. Es ist das erste mal seit 4 Wochen, das wir Brot zu sehen bekommen.

21.5.1945
Wir bekommen eine neue Arbeitsstelle in einem ehemaligen Wohnlager einer Munitionsfabrik. Hier müssen wir alles ausräumen und sauber machen. Da es ein Durchgangslager für amerikanische Soldaten werden soll. Hier finden wir gegen Abend im Keller Kartoffeln, welche wir auch schon 4 Wochen nicht mehr gesehen haben. Ein Elektroherd dessen Anschluss nicht in Ordnung ist, wird sofort repariert und mit dem Kartoffelnkochen wird auf der Stelle begonnen. Dann entdecken wir noch etwas Salz. Da wir von unserer Entdeckung noch keine Reklame machen, bleiben wir vorerst mit 8 Mann im Keller. Nachdem wir jeder 2 volle Kochgeschirre mit Kartoffeln gegessen haben und das Kochgeschirr zum 3. male mit gekochten Kartoffeln gefüllt haben, werden andere Kameraden von diesem Fund benachrichtigt.

23.5.1945
Wir entdecken einen elektrischen Kocher und Bratpfannen, was wir ins Lager mitnehmen. Dann nehmen wir uns amerikanische Konserven mit Kuchen, Pfannkuchen, Plinsteig usw. mit ins Lager und fangen dort an zu backen.

26.5.1945
Ich muss nun in einer amerikanischen Schreibstube aufräumen helfen. Wir sind mit 5 Mann. In Papierkörben befinden sich alte Fahnen, SA Dolche, Photoapparate, Bücher, mein Kampf usw., sowie viel zerrissenes und zerknülltes Papier, was wir alles in die Müllgrube schütten.

27.5.1945
Der heutige Tag beginnt gefährlich. Bereits am frühen Morgen werden wir 5 Mann zu unserer gestrigen Arbeitsstelle gerufen und dort von dem amerikanischen Offizieren ernsthaft ins Verhör genommen. Wegen dem gestern verschwundenen Hakenkreuzfahnen und SA Dolchen. Man droht uns auch gleich mit Bestrafung, da wir ja nur mit dem Verschwinden dieser Sachen in Frage kommen können. Auf unsere Antwort, das wir alles in die Müllgrube geschüttet haben, will man gar nicht so recht reagieren. Dann gehen die Offiziere aber doch mit uns zur Müllgrube, wo wir ihnen die verschwundenen Sachen wieder raussuchen sollen. Als wir aber hinkommen, müssen wir feststellen, dass der Inhalt der Müllgrube bereits angebrannt wurde, was ja an jedem Morgen geschieht. Da aber noch nicht die ganze Fläche brennt, gelingt es du noch die verschwundenen Gegenstände zu finden und somit können wir noch von der und angedrohten Bestrafung frei kommen.

29.5.1945
Mein neuer Arbeitsplatz ist in der Küche des amerikanischen Durchgangslagers, wo wir ja nun alles zu essen und zu trinken bekommen, was man sich nur denken kann. Allerdings müssen wir 10-14 Stunden schwer arbeiten. Was uns ja auch schwer fällt, denn eine Gewichtsfeststellung der letzten Tage zeigte nur, das ich nur noch 98 (...) wiege, wogegen ich noch 138 (...) wog als ich in Gefangenschaft kam.

5.6.1945
Wir haben in der Küche nun täglich 3-4000 Mann zu verpflegen. Dabei verlangt der Amerikaner äußerste Sauberkeit. An einem Tage müssen wir Milchbüchsen mit dem Beil öffnen und die Inhalt in 50 Ltr. Fassende Gefäße schütten. Als wir gerade einen solchen Behälter gefüllt haben, kommt die Küchenchef und macht dort gleich Bemerkungen die wir nicht verstehen, da sehen wir, das in dem Milchbehälter 2 Fliegen in die Milch schwimmen. Ein Gefangener holt sofort ein Messer und will die Fliegen aus der Milch entfernen, aber das will der Amerikaner nicht, sondern wir müssen sofort die 50 Ltr. Gute Milch in den Ausguss wegschütten. Genauso wird es mit anderen guten Sachen gemacht, was eben nicht ganz einwandfrei ist wird vernichtet. Im Durchgangslager bekommen die Amerikaner jeden zweiten Tag Hammelbraten. Das beim Braten gewonnene Talg wird einfach durch den Ausguss weggegossen und dann mit riesigen Mengen Butter zur Soßenherstellung verwendet. Jeden Sonnabend gibt es Schokoladenkuchen, welchen wir schneiden müssen. Zuerst schneiden wir und aus der Mitte einen streifen zu Essen, dann geht es weiter. Wir werden ferner im Keller zum Apfelsinensortieren angestellt. Von den guten essen wir, da wir die nicht mehr ganz Einwandfreien ja sowieso mitnehmen dürfen. An Tagen an denen in der Küche nicht viel Arbeit vorhanden ist, werden wir zum Sortieren von Verwundetengepäck amerikanischer Soldaten angestellt. Um endlich wieder einmal Roggenbrot essen zu können, müssen wir unter größter Gefahr Fett und Talg aus der Küche verschieben.

12.6.1945
Wir bekommen unsere Entlassungspapiere und müssen beim Arzt zur Untersuchung. Gegen Abend kommen die Fahrzeuge, die uns bis zur Zonengrenze bringen sollen. Wir werden mitsamt unserem Gepäck nach allen möglichen untersucht, was wir angeblich nicht mitnehmen dürfen. Selbst Büchsenöffner amerikanischer Herkunft werden uns abgenommen. Als wir fertig durchsucht sind kommt dann der Befehl alles wieder ins Lager, nach den Polnisch- verwalteten Gebieten kann keiner entlassen werden. Schwer geschlagen ziehen wir nun wieder in unsere Unterkünfte.

13.6.1945
Wir müssen wieder zu unserer Arbeitsstelle in die Küche wo wir erstaunt vom Küchenchef empfangen werden. Er ist ein ehemaliger Deutscher. Sein Vater musste mit ihm Deutschland 1933 aus politischen Gründen verlassen.

25.6.1945
Heute werden wir nun endgültig aus der Gefangenschaft entlassen, jedoch kommen wir vorerst in der amerikanischen Zone zum Arbeitseinsatz, da wir wie uns von einem amerikanischen Offizier mitgeteilt wurde nach dem polnischen Besatzungsgebiet nicht gelassen werden dürfen. Wir können aber sobald wir Nachricht von unseren Angehörigen hätten sofort unsere Arbeitstelle aufgeben und in die Heimat zurückkehren. Von den Umfang des polnisch verwalteten Gebietes und überhaupt was außerhalb unseres Gefangenenlagers geschah hatten wir ja fast gar keine Ahnung, sonst hätte ich ja schon bei meiner ersten Entlassung darauf hinweisen können, das obwohl unsere Kreisstadt Sorau im polnischen Gebiet liege, ich auf der anderen Seite der Neiße zu Hause bin. Wir werden nun mit LKW’s abtransportiert nach Fritzlar. Dort werden wir von Angestellten des Arbeitsamtes zu den einzelnen Arbeitsstellen eingewiesen. Soweit irgendwelche besonderen Wünsche erfüllt werden können, geschieht dies. Ich werde mit dem größten Teil des Transporters in ein Gemeinschaftslager bei der Preussischen Elektrizitäts AG in Borken eingewiesen. Wir liegen hier mit 3-4 Mann je Stube in einer massiven Baracke zur Gemeinde Grossenenglis gehörend.

26.6.1945
Haben heute noch Ruhetag, sollen uns erst wieder an die Luft im Freien gewöhnen, jedenfalls kommt es uns sehr komisch vor nun wieder als Menschen sich frei bewegen zu können. Besehen und nu erst einmal die umliegenden Ortschaften Grossenenglis, Kleinenglis, Arnsbach und Borken. Gegen Abend werden wir vom Betriebsleiter zu den einzelnen Arbeitsstellen aufgeteilt. Wir sollen hier in einem Braunkohletagebau arbeiten, der für ein Kraftwerk die notwendige Kohle liefert. Ich werde für die Kohlenförderung eingeteilt, wo wir in drei Schichten arbeiten müssen. Och verdiene dort die Stunde 73 Pfg., außerdem freie Unterkünfte, Verpflegung und Arbeitskleidung. In der Kohlenförderung kommen wir alle in eine Kolonne, arbeiten also alle zur gleichen Zeit. Müssen dort die Fördrbänder in der benötigten Art aufstellen und überwachen. Haben uns unter der guten Anleitung unseres Vorarbeiters gut eingearbeitet, sodass wir sehr wenig Arbeit haben, wenn wir einigermaßen aufpassen. Dagegen müssen die in die Gleiskolonne Gekommenen und die am Abraum Beschäftigten schwer arbeiten und bekommen je Stunde nur 60 Pfg.

28.6.1945
Da hier in der Braunkohlegrube auch noch polnische Gefangene arbeiten, wohnen diese in einer 30 Meter von unserer entfernt stehenden Baracke. Diese sollen nun in ihre Heimat abtransportiert werden. Aus Freude auf ihre Heimkehr haben sie den von Zucker hergestellten Wein ausgetrunken und wollen uns nun in ihrem betrunkenen Zustand aus unserer Baracke verjagen. Als wir nicht auf ihre Beschimpfungen reagieren, gehen eine mit Messer in Stuben unserer Baracke und zwingen und die Baracke zu verlassen. Als nach kurzer Zeit amerikanische Militäreinheiten eintreffen, wird die Ruhe wieder hergestellt. Am kommenden Tage, kommen dich viele polnische Arbeiter bei uns entschuldigen und sagen, das der ganze Vorfall von drei Polen verursacht wurde, welche die anderen Kameraden aufgehetzt hätten.

30.6.1945
Heute verlassen die letzten Polen unser Lager. Wir gehen nun nach unserer Arbeitszeit in der Kohlegrube, die uns ja gar nicht viel ausmacht, ja gar nicht als Arbeit bezeichnet werden kann, ins Dorf und helfen dort noch bei der Obsternte oder anderen Arbeiten auf dem Felde. Dafür lassen wir usn dann jeden Sonnabend einen Kuchen backen, oder wir holen und was, was wir im Lager gerade nicht bekommen können. Wenn irgend auf den Dörfern Tanz oder Theater oder in Borken Kino ist und wir haben frei, sind wir natürlich dort, denn wir haben ja Zeit.

10.8.1945
Von den amerikanischen Besatzungstruppen finden nun Sportwettkämpfe zwischen den einzelnen Einheiten statt, von denen wir aber schwer enttäuscht waren, da sie mit einer kaum vorstellbaren Rohheit vorgetragen werden. Es gab immer einige Verletzte für die Fahrzeuge der Besucher wurden Parkplätze in großen Getreidefeldern eingerichtet. In diesem Bereich liegende Getreidefelder wurden in wenigen Stunden vollkommen festgewalzt.

1.9.1945
Da einer unserer Baggerfahrer erkrankt ist, komme ich nun auf den Kohlen- Schaufelradbagger als Baggerfahrer 2 und bekomme hier die Stunde 90 Pfg. zeitweise vertrete ich nun auch den Baggerfahrer 1, bekomme dann 1,30 Mark.

1.11.1945
Trotzdem es uns hier auf unserer Arbeitsstelle gut geht, wir leichte Arbeit haben und gutes Essen bekommen, beginnt sich jetzt doch die Sehnsucht nach der Heimat und den Angehörigen bemerkbar zu machen. Wir fassen den Entschluss, spätestens Weihnachten in der Heimat zu sein. Eine Anfrage bei unserer Betriebsleitung wegen unserer Entlassung, stößt auf deren ablehnende Haltung. Wir versuchen nun erst einmal einen Brief auf noch unerlaubtem Wege in die Heimat zu schicken um nicht ins Ungewisse zu reisen, denn eine Parole jagt die andere. Dort sind die Polen die jagen euch wieder raus. Östlich der Spree müssten alle Deutschen raus usw.

16.12.1945
Heute bekomme ich nun die erste Nachricht seit dem 13.2. von zu Hause mit der Mitteilung, dass ich kommen soll und noch alles beim Alten ist.

17.12.1945
Da wir bei unserer Betriebsleitung wieder auf Schwierigkeiten stoßen würden, entschließen wir und nun unsere Arbeitsstelle nachts fluchtartig zu verlassen. Um uns eventuell nicht ganz strafbar zu machen, gehen wir uns beim Bürgermeister in Grossenenglis abmelden und besprechen mit ihm unsere Heimreise. Er teilt uns mit, dass die Grenzübergangsstelle bei Eschwege (brit. Zone) ab sofort über Weihnachten geschlossen ist und empfiehlt und auf schnellstem Wege unseren Weg über Bebra zu versuchen.

18.12.1945
Bei strömendem Regen verlassen wir in den frühen Morgenstunden unsere Unterkunft der Braunkohlegrube Borken in Grohsenenglis uns gehen nach dem Bahnhof in Borken, von wo unser Zug um 3.45Uhr abgeht. Wir fahren nach Guntershausen, müssen dort umsteigen zu dem Zug nach Bebra. Dort werden wir vom Roten Kreuz aufgenommen und zur Zonengrenze weiter geleitet. IN Gerstungen der Zonengrenzstation werden wir von russischen Militärposten übernommen und mit einem anderen Zuge nach dem Umsiedlerlager Siebenborn bei Eisenach weiter geleitet. Kommen dort abends gegen 10 Uhr an. Werden hier nun verpflegt und bekommen Unterkunft in den dortigen Baracken, wo wir vor dem Schlafengehen noch registriert werden.

19.12.1945
Mit einem von den russischen Militärbehörden bereit gestellt Sonderzug über Halle nach Berlin, fahre ich heute bis nach Halle.

20.12.1945
In den Morgenstunden fahre ich nun nach Cottbus weiter wo ich gegen Mittag ankomme. Da hier nun erst spät abends ein Zug nach Forst weitergehen soll, entschließe ich mich nach Hause zu laufen. Als ich jedoch in der Stadt bin, beginnt es zu regnen, worauf ich mein Vorhaben abbreche und doch lieber bis abends auf den Zug warten will. Der Zug der mich nun um 20Uhr nach Forst bringen soll, fährt jedoch erst um 22Uhr, sodass ich nun um 23Uhr in Forst bin. Von hier bin ich nun gezwungen nach Hause zu laufen, da in Richtung Guben erst am kommenden Morgen ein Zug weiter fährt. So laufe ich nun durch die menschenleeren zerstörten Straßen von Forst in der regnerischen, finsteren Nacht und bin dann um Mitternacht zu Hause.

21.12.1945
Heute ist es mir nun möglich die Folgen des Krieges an unserem kleinen Orte festzustellen. Es sind dies runtergebrannt 5 Wohnhäuser, 9 Scheunen und einige Ställe, ferner sind der große Teil der Gebäude durch Beschuss zum Teil schwer beschädigt. Von den Einwohnern dieses Ortes kann ich mit vielen, vor allen Dingen älteren Leuten nicht mehr sprechen, da sie das furchtbare Ende nicht mehr überlebt haben.

Dauer meiner Abwesenheit
12.12.1941 – 19.02.1942 RAD 70 Tage
23.03.1942 – 04.07.1942 Wehrmacht Ausbildung in Deutschland 103 Tage
05.07.1942 – 22.10.1943 Im Einsatz in Russland 475 Tage
23.10.1943 – 01.12.1943 Im Lazarett in Russland 38 Tage
02.12.1943 – 09.02.1945 Im Lazarett in Deutschland 435 Tage
10.02.1945 – 19.04.1945 bei Ersatztruppenteilen 68 Tage
20.04.1945 – 25.06.1945 in amerikanischer Gefangenschaft 66 Tage
26.06.1945 – 19.12.1945 im Arbeitseinsatz 177 Tage
gesamt 1434 Tage
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