Merlins erstes Lebensjahr
Hei, ich bin Merlin!
Ich bin ein Schwarzwälder Fuchs und sehe so aus.
Ich bin ein Hengst! Na ja, ok ich werde noch einer.
Meine Heimat ist der Schwarzwald. Dort wurde ich geboren. Die ersten vier Monate waren super.
Mama war da und hatte immer gute Milch. Heu gab es auch, tagsüber waren wir draußen, nachts in einem Stall. Ich habe am 11. Juli Geburtstag und es wurde schnell Herbst.
Eines Tages passierte etwas.
Dies hier ist mein Tagebuch. Schreiben wird es meine Besitzerin, aber ich behalte mir vor sie ab und an zu korrigieren. Sie hat mich nämlich verschleppt!
Ja, sie nahm mich einfach mit.
Hei, ich bin Marion.
Schon lange halte ich Ausschau nach einem Schwarzwälder Hengstfohlen. Ich liebe diese Rasse.
Vor ein paar Jahren kaufte ich meine erste Schwarzwälder Stute. Zwei Stutfohlen zog ich aus ihr.
Dann klappte einiges mit der künstlichen Besamung nicht und der Wunsch nach einem eigenen Hengst wurde immer stärker. Dann sah ich ihn! Zufällig im Internet. Das war er. Das war mein Merlin!
Ich lebe am anderen Ende von Deutschland, in der Niederlausitz. Also los.
18.11.2006
Wir, mein Partner und ich, starten morgens um 5.00 Uhr.
Vor uns liegen gut 800km mit einem leeren Pferdehänger. Wir wollen Merlin holen. Gesehen haben wir ihn bis jetzt nur auf ein paar Bildern. Gekauft am Telefon. Dem Besitzer passte die weite Entfernung nicht so sehr, aber als ich ihm erzähle, dass Merlin in eine Offenstallhaltung kommt, drei schicke Schwarzwälder Stuten und ein erfahrener alter Wallach zu seiner zukünftigen Herde gehören, war er zu überzeugen.
Außerdem soll Merlin hier zu einem Deckhengst werden.
Ich will mit ihm und meinen Stuten züchten.
Die Fahrt verläuft super. Gutes Wetter, kein Stau,
keine Panne.
Es ist noch etwas hell als wir ihn das erste Mal sehen.
Ja, ein schickes Fohlen! Richtig war die Entscheidung.
Stolz zeigt uns sein Züchter wie er schon alle Hufe gibt.
Nur zu zwicken versuche er manchmal, was er auch schnell demonstriert.
Wir gehen etwas essen und der Züchter möchte noch einiges von meinen Vorstellungen über Merlins Zukunft wissen. Ich möchte, dass er als Hengst in seiner zukünftigen Herde lebt. Ich weiß, es ist ein Experiment.
Aber in einer frei lebenden Herde ist es nicht anders.
Natürlich will ich ihn kören lassen. Sein Vater ist ein bedeutender Elite Hengst der Schwarzwälder Zucht!
Ich will Merlin ein Leben als Hengst in einer Herde ermöglichen. Der Züchter findet es gut.
Ich hoffe Merlin ist auch damit einverstanden und macht uns das Leben nicht zu schwer.
19.11.2006
Nach ein paar Stunden Schlaf in einer netten Pension treffen wir uns morgens um 5.30 am Stall. Merlin geht ohne zu zögern mit der Mutter auf den Hänger. Wir binden ihn relativ kurz zweifach an. Er ist auch dann noch recht friedlich als wir die Stute vom Hänger führen.
Er ist eine Trennung von ein paar Stunden schon gewöhnt und kennt es auch angebunden zu werden. Der Züchter hat gute Arbeit geleistet.
Wir fahren nur ein kurzes Stück, lassen das Licht im Hänger an.
1. Kontrolle
Er steht super, tobt nicht, ist aber etwas geschwitzt.
2. Kontrolle nach 60 km
Merlin steht lieb, ist wieder trocken. Wir lösen beide Anbindestricke so, dass er beweglicher ist.
Auch an den längeren Stricken kein Randalieren.
(Merlin: Wie soll ich randalieren, wenn ich mutterseelenallein in einem fahrenden Hänger stehe und mein Gleichgewicht halten muss?)
3. Kontrolle nach einer weiteren Stunde.
Lieb und ruhig.
Er nimmt noch kein Wasser, kennt es noch gar nicht richtig aus einem Eimer zu trinken. Wir haben extra Wasser aus seinem Heimatstall mitgenommen, aber er verweigert es.
(Merlin: Klar, schmeckt ja auch nicht, Stutenmilch ist viel besser)
Wir kontrollieren dann alle zwei Stunden. Schneiden Äpfel klein, das Heunetz wird aufgefüllt. Irgendwann nimmt er Wasser, planscht gleich danach so im Eimer, dass wir nass sind.
Die letzten 200km scheinen die längsten zu sein.
Die Stimmung ist aber sowohl im Auto als auch im Hänger gut.
Ankunft 17.45
Wir haben alles vorbereitet für Merlins Einzug.
Ein zusätzlicher Offenstall wurde gebaut, davor sein eigener Auslauf abgezäunt. Direkt neben dem Zaun stehen die anderen Pferde. So ist ein Kontakt möglich, aber keine Unfallgefahr.
Wir haben noch zwei Helfer als wir ankommen und führen ihn sacht vom Hänger. Die anderen wiehern sofort und er gibt leise Antwort.
Wir wissen nicht wie stabil er läuft nach dieser langen Fahrt und führen ihn vorsichtig in seinem Auslauf herum.
Vier sehr aufmerksame Beobachter stehen am Zaun und auf der anderen Seite ein neugieriger Nachbar.
Nach einer Weile lassen wir ihn los, denn die Fahrt scheint er mehr als gut überstanden zu haben. Er schaut neugierig zu den anderen. Dann ruft er nach seiner Mutter. Dieses typische Wiehern das es nur zwischen Fohlen und Mutterstute gibt. Das war der Auslöser für unsere Leitstute. Wie eine Furie rast sie auf den Zaun los. Ohren flach am Kopf, Zähne frei, voller Galopp, gerade noch gebremst, Brust schon im Strom. Damit hatte niemand gerechnet! Ich werde kreideblass. Romina wird doch nicht durch den Zaun gehen?
Merlin setzt dem ganzen noch die Krone auf. Er dreht ihr sein Hinterteil zu und schlägt aus. Romina rast vor Wut. Giftet mit langem Hals über den Zaun. Endlich unterwirft Merlin sich. Nimmt den Kopf nach unten fängt an zu kauen. Es wird ruhiger.
Die beiden Töchter von Romina, Ronja und Ribanna verhalten sich neutral. Ramzes, der alte Wallach wie immer freundlich, neugierig.
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