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BUND.net - Was bedeutet Biodiversität? Autor: Maria Müller 23.04.2010 19:45
Interview mit BUND-Naturschutzexpertin Heidrun Heidecke
Die UNO hat 2010 zum Internationalen Jahr der Biodiversität erklärt. Unter dem Motto "Biodiversität ist Leben" soll im Jahr 2010 eine weltweite Allianz zur Förderung des Lebens auf der Erde entstehen. 168 Staaten haben sich in der Konvention zur Biologischen Vielfalt (CBD) dazu verpflichtet, die Notwendigkeit des Schutzes der biologischen Vielfalt ganz oben auf die politische Agenda zu rücken. Doch was bedroht sie und warum ist es so wichtig, Arten vor dem Aussterben zu schützen? Das erklärt Heidrun Heidecke. Sie ist die Naturschutzexpertin des BUND.
Heidrun HeideckeAm 21. Mai ist der Internationale Tag der Biodiversität. Frau Heidecke, was heißt das eigentlich: Biodiversität?
Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff Biodiversität "Vielfalt des Lebens". Man spricht auch von der "biologischen Vielfalt". Biodiversität umfasst nicht nur die Vielfalt der Lebensgemeinschaften und der Arten, sondern auch genetische Vielfalt innerhalb einer Art. So erklärt sich etwa die Vielfalt an Obst- und Gemüsesorten. Beispielsweise gibt es weltweit rund 5.000 Kartoffelsorten, 180.000 Schmetterlingsarten und 350.000 Käferarten. Jede Art hat ihre eigenen Überlebensstrategien entwickelt, indem sie sich über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende an ihre Umgebung angepasst hat. Durch den Eingriff des Menschen ändern sie jedoch die Lebensbedingungen zu schnell, um sich anzupassen. Oder Lebensräume werden einfach zerstört.
Warum muss die Biodiversität geschützt werden?
Biodiversität ist existenziell, sie ist unsere Lebensgrundlage. Der natürlichen Vielfalt verdanken wird Gesundheit, Nahrung, Rohstoffe, Sicherheit und lebenswichtige Leistungen der Ökosysteme – wie etwa die Filterung unseres Trinkwassers durch Waldböden. Biodiversität geht verloren, in Deutschland und weltweit. Das Internationale Jahr der Biodiversität ist eine Gelegenheit, Bilanz zu ziehen. Das Ziel der internationalen Gemeinschaft, das Artensterben bis 2010 zu stoppen, ist nicht erreicht worden. Es ist an der Zeit, sich neue Ziele zu setzten und entsprechend zu handeln. Die Bundesregierung hat bis zum Beginn der UN-Biodiversitätskonferenz im Oktober in Nagoya in Japan den Vorsitz der Konvention zur Biologischen Vielfalt. Wir erwarten von Kanzlerin Merkel und Umweltminister Röttgen entscheidende Impulse.
Plakat des BUND zum Jahr der Biodiversität 2010Was gefährdet die Biodiversität?
Für unseren Lebenswandel, unseren Konsum verbrauchen wir immer mehr Fläche, vermindern ihre Qualität, zum Beispiel indem wir in Wäldern eintönige Baumplantagen pflanzen und unterbrechen die Vernetzung von Lebensräumen. Wir greifen ständig in die Natur ein: Versiegelung, Verdichtung, Begradigung und Eindeichung von Flüssen. Wir zerstören Flussauen oder Überflutungsflächen, legen Moore trocken, bringen Schadstoffe in Luft, Wasser und Böden ein. Monokulturen und die Pestizide der Landwirtschaft sind Beispiele dafür.
Wie geht es der Biodiversität in Deutschland?
Von den etwa 16.000 auf ihre Gefährdung untersuchten Tierarten in Deutschland sind über ein Drittel, von rund 14.000 Pflanzen- und Pilzarten über ein Viertel bedroht. Mehr als zwei Drittel ihrer Lebensräume wie Moore, Auen, Wiesen und Buchenwälder sind durch Zersiedelung und intensive Forst- und Landwirtschaft gefährdet. Bedroht sind auch viele seltene Obst- und Gemüsearten sowie Nutztierrassen. Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland damit beim Schutz der Biodiversität insgesamt schlecht ab.
Was kann ich selbst für die biologische Vielfalt tun?
Im eigenen Garten hilft nicht nur der Verzicht auf Pestizide, sondern generell eine möglichst große Naturnähe. Auch beim Einkauf kann jeder Einfluss nehmen: Verzicht auf Tropenholz und exotische Spezialitäten. Weniger Fleischkonsum hilft dem Regenwald, weil das Tierfutter oft von gerodeten Flächen stammt. Wer regionale Bioprodukte genormten Fertiglebensmitteln vorzieht, unterstützt die Vielfalt. Biobauern erhalten oft auch seltene Nutztiere wie das Schwarzbunte Niederungsrind oder das Glanvieh, seltene Gemüsesorten wie Teltower Rübchen oder die Pastinaken. Produkte, die kaum noch bekannt sind und die sonst verloren gingen. Energiesparen hilft der Artenvielfalt – denn es ist ein Beitrag gegen den Klimawandel: elektrische Geräte immer ganz ausschalten, denn auch im Standby-Modus verbrauchen sie Strom und belasten die Geldbörse. Öfter das Auto stehen lassen und mit dem Fahrrad fahren. 10 Kilometer mit dem Rad, anstatt mit dem Auto – dann sind über zwei Kilo Kohlendioxid eingespart. Und natürlich kann man sich auch aktiv am Naturschutz vor Ort beteiligen. Zum Beispiel in einer BUND-Gruppe.
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